Anzeige

Künstliches Hüftgelenk verringert Herzinfarktrisiko

Stethoskop und EKGOrthopäden aus Kanada fanden heraus, dass Patienten, die eine Totalendoprothese (TEP) erhalten hatten, nicht nur ihre Bewegungsfähigkeit verbessern konnten, sondern auch ein geringeres Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall aufwiesen.

Die Forscher nahmen 2.200 Arthrose-Patienten über 50 Jahre in den Jahren von 1996 bis 1998 in ihre Studie auf. In den ersten drei Jahren nach Aufnahme – der Expositionszeit – wurden die Patienten in zwei Gruppen aufgeteilt. In die eine Gruppe kamen alle Patienten, denen in dieser Zeit ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt wurde, die andere Gruppe bestand aus Patienten, die keine TEP erhielten. Später durchgeführte Operationen spielten für die Auswertung keine Rolle.

Beendet wurde die Studie im Jahr 2011. Der Nachuntersuchungszeitraum betrug im Mittel sieben Jahre. Die Forscher erfassten in beiden Gruppen, wie häufig sich Herzinfarkte, Schlaganfälle, transitorische ischämische Attacken, Fälle von Herzinsuffizienz und Eingriffe an den Herzkranzgefäßen nach den ersten drei Jahren ereigneten.

Zur Datenauswertung teilten die Forscher die Patienten in Gruppen ein, die bezüglich möglicher Risikofaktoren für eine Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems (medizinisch: kardiovaskuläre Ereignisse) vergleichbar sind. Zu diesen Risikofaktoren gehören beispielsweise Diabetes mellitus oder Bluthochdruck. Insgesamt 36,3 Teilnehmer der Studie erlitten ein kardiovaskuläres Ereignis.

Ergebnisse

Die Forscher berechneten, dass Patienten mit Gelenkersatz während der Nachbeobachtungszeit ein 44-prozentig geringeres Risiko hatten, wegen eines kardiovaskulären Ereignisses behandelt werden zu müssen oder daran zu versterben.

Absolut bedeutet dies, es müssen acht Patienten ein künstliches Hüftgelenk erhalten, um ein kardiovaskuläres Ereignis während des Nachbeobachtungszeitraumes zu verhindern.

Dass das Herz von Patienten von einem Gelenkersatz profitieren könnte, führen die kanadischen Orthopäden auf verschiedene Faktoren zurück. Ein möglicher Punkt wäre der mit einer Arthrose einhergehende Bewegungsmangel. Hierdurch erhöht sich das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Erhöht werden könnte dieses Risiko zusätzlich durch den mit der Arthrose verbundenen psychischen Stress. Viele Patienten nehmen aufgrund der Arthrose-Schmerzen sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) ein. Und diese Gruppe der Schmerzmittel birgt ein kardiovaskuläres Risiko. Noch nicht geklärt werden konnte, ob Patienten nach Erhalt einer TEP weniger NSAR einnehmen, da diese Mittel auch rezeptfrei erhältlich sind.

Ausgehend von ihren bisherigen Ergebnissen regen die Forscher an, weitere Studien durchzuführen. So könnte man unter anderem untersuchen, wie genau sich mehr Bewegung, die Verringerung von Schmerzen und weniger Stress sowie eine bessere Stimmung auf die Häufigkeit von kardiovaskulären Ereignissen auswirken, nachdem die Patienten eine TEP erhalten haben.

Quelle: BMJ 2013; online 30. Oktober  (siehe http://www.springermedizin.at/artikel/38971-gelenkersatz-ist-gut-fuers-herz

Autorin: Birgit Klötzer M.A., wissenschaftliche Redakteurin

Diesen Beitrag drucken
Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlen

Teilen Sie diesen Beitrag