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Neue Forschungsergebnisse zum körpereigenen Arthroseschutz

Arthroseschutz

© Iosif Szasz-Fabian – Fotolia

Wissenschaftler auf der ganzen Welt beschäftigen sich mit der Thematik ‚Arthrose‘. Sie versuchen die Ursachen der Erkrankung zu ergründen sowie neue Therapien zu entwickeln. Eine neue Studie offenbart nun ein Forschungsergebnis, das Aufmerksamkeit verdient und möglicherweise neue Forschungsansätze für Medikamente liefert. Laut den aktuell veröffentlichten Daten scheinen Gelenke eine Art Schutzprogramm vor Arthrose zu besitzen. Und diese Erkenntnisse zum körpereigenen Arthroseschutz könnten beispielsweise auch zum Verständnis beitragen, wie man sich dieser Krankheit vorbeugt.

Wissenschaftler der Universität Edinburgh (Schottland) zeigten, dass es möglicherweise eine Verbindung zwischen Arthrose und dem sogenannten endogenen Cannabinoid-System (ECS) gibt. Das endogene Cannabinoid-System befindet sich unter anderem im Gewebe der Gelenkschleimhaut (Synovia) und in der Flüssigkeit, die die Knochen umgibt. Das ECS gehört zum Nervensystem und besitzt die Cannabinoid-Rezeptoren namens CB1 und CB2 sowie ihren natürlichen Liganden. Sein Aufgabengebiet im menschlichen Körper umfasst die Beteiligung an verschiedenen körperlichen Funktionen: Rezeptor CB1 ist dabei für die Bereiche ‚Gehirnentwicklung‘, Kontrolle der Nahrungszufuhr‘ oder für die ‚Gedächtnisfunktion‘ zuständig. CB2 beeinflusst das Immunsystems sowie den Knochenauf- und abbau.

Typ 2 Cannabinoid-Rezeptor scheint eine wesentliche Rolle zu spielen

Ergebnisse der neuen Studie aus Schottland lassen den Schluss zu, dass der Typ 2 Cannabinoid-Rezeptor eine wichtige Verteidigungsquelle gegen Arthrose sein könnte.

Die Studienergebnisse wurden das erste Mal auf dem 41. Congress der European Calcified Tissue Society veröffentlicht. Der Kongress fand in Prag vom 17.-29. April 2014 statt. Studienleiter Professor Stuart Ralston von der Universität Edinburgh stellte die Ergebnisse der Studie vor, die mit Mäusen durchgeführt wurde. Alle Versuchstiere hatten instabile Kniegelenke. Es zeigte sich: Die Zerstörung des Knorpels – die einen wesentlichen Aspekt der Arthrose ausmacht – war bei denjenigen Mäusen mit einem beeinträchtigten Typ 2 Cannabinoid-Rezeptor im Vergleich zu Mäusen mit normalem ‚Rezeptor‘ zu 40 Prozent stärker ausgeprägt. Die Zerstörung des Knorpels war bei den älteren Mäusen, die spontan eine Arthrose entwickelten, sogar bis zu 60 Prozent stärker. Auch bei diesen Mäusen war im Vergleich zu den ‚normalen‘ Mäusen der Typ 2 Cannabinoid-Rezeptor beeinträchtigt.

Die Studie lieferte noch ein weiteres interessantes Ergebnis: Der synthetisch hergestellte Cannabinoid-Rezeptor-Ligand HU308, der an CB2 bindet, hemmte deutlich das Fortschreiten der Arthrose bei jüngeren Mäusen mit normalen CB2-Werten. Bei denjenigen mit einem beeinträchtigten Cannabinoid-Rezeptor stellten die Wissenschaftler dagegen keine entsprechenden Erfolge fest.

„Unsere Forschung weist darauf hin, dass es möglicherweise einen natürlichen körpereigenen Arthroseschutz gibt. Die neuen Forschungsergebnisse vermitteln eventuell neue Erkenntnisse darüber, die uns bei der Entwicklung von Behandlungsmöglichkeiten hilfreich seien könnten. Aus der Mausstudie wissen wir, dass eine Schädigung des CB2 Rezeptors mit einer wesentlich höheren Wahrscheinlichkeit verknüpft ist, eine Arthrose zu bekommen als bei einem intakten Rezeptor. Der synthetisch hergestellte Cannabinoid-Rezeptor-Ligand HU308 scheint Mäuse mit intaktem Rezeptor zusätzlich vor Arthrose zu schützen“, fasst Ralston die Studienergebnisse zusammen. Als nächsten Schritt planen die Forscher der Rolle des CB2-Signalwegs bei Menschen mit Arthrose auf den Grund zu gehen.

Wichtig:

  • Das Cannabinoid-System könnte möglicherweise eine Schutzfunktion vor Arthrose beinhalten.
  • Ein beschädigter CB2 Rezeptors scheint sich bei Mäusen negativ auf den Krankheitsverlauf der Arthrose auszuwirken.
  • Der synthetische Cannabinoid-Ligand HU308 hemmte erfolgreich das Fortschreiten der Arthrose bei jüngeren Mäusen mit einem ‚normalen‘ CB2.

 

Quelle:  41. Europäischen verkalkten Tissue Society Congress in Prag am 17. Mai, http://www.deutschmedizin.com/items/view/2417

Autor: Birgit Klötzer M.A., wissenschaftliche Redakteurin

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