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Der Gehstock – Teil 1

© Ljupco Smokovski - Fotolia

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Wie und wann benutze ich ihn?

Wenn sie Probleme beim Gehen haben, benutzen Sie einen Gehstock oder eine Gehstütze.

Was der Gehstock bringt: Sie verringern das Sturzrisiko und entlasten Hüfte und Kniegelenk. Am besten funktioniert dies, wenn Sie die Größe richtig einstellen. Die meisten Stöcke sind einstellbar, sei es mit Schraube, Druckknopf oder Gewinde. Denken Sie daran, sicherzustellen, dass Sie die neue Einstellung richtig gesichert haben. Dies ist vor allem bei Gehstützen mit Druckknopf- oder Clipverstellung wichtig. Die Höhe sollten Sie durch einen Physiotherapeuten oder Ihren Arzt prüfen lassen.

In der Regel halten Sie Ihren Stock auf der Gegenseite des zu entlastenden Beines. Wenn Sie also Schmerzen am linken Knie haben, sollten Sie den Stock mit der rechten Hand benützen. Stellen Sie sich hin und halten Sie den Stock an Ihre rechte Seite mit der Spitze am Boden. Der Stock sollte bis zum Hüftknochen reichen, der Ellenbogen dabei etwa 20 Grad gebeugt sein. Bei hängendem Arm reicht der Stockgriff bis zum Handgelenk. Wenn Sie Beschwerden in der Hand oder im Handgelenk haben, können Sie sich einen sogenannten anatomischen Griff anbringen lassen, der eine verbesserte Auflagefläche für die Hand hat. Der anatomische Griff kann in schwierigen Fällen auch individuell angepasst werden. Dabei wird die Auflagefläche für die Handinnenseite so vergrößert, dass es zu einer besseren Druckverteilung kommt. Diese Anpassung ist bei Arthrose in den Hand- oder Fingergelenken zu empfehlen.

Beim Gehen bewegen Sie den Stock gleichzeitig mit dem gegenseitigen Bein (das Bein, das Beschwerden macht) nach vorne. Das Gewicht verlagern Sie dabei nach Bedarf auf den Stock. Versuchen Sie, geradeaus zu schauen.

Beim Treppenhochsteigen legen Sie eine Hand an das Geländer und nehmen den Gehstock in die andere Hand. Der erste Schritt erfolgt mit dem gesunden Bein und dann wird das andere Bein angehoben. Beim Runtergehen wird der erste Schritt zunächst mit der „kranken“ Seite gleichzeitig mit dem Gehstock gemacht.

Die Gummistopper an den Enden der Gehstützen sollten Sie regelmäßig auswechseln. Im Winter können sogenannte Spikes angebracht werden, um ein Ausrutschen zu vermeiden. Diese können auch klappbar sein. Die Griffigkeit ist von großer Bedeutung, wenn Sie sich auf Ihren Gehstock verlassen wollen. Vorsicht ist geboten bei nassem oder losem Untergrund. Sie könnten dann unerwartet wegrutsche oder einsinken.

Der Gehstock als Sturz- und Arthroseprophylaxe?

Ein Gehstock kann die Mobilität erhöhen, die Ermüdung reduzieren und mehr Selbstvertrauen geben. In vielen Fällen bedeutet die Benutzung von Gehstöcken im ersten Monat einen vermehrten Energieaufwand vom Benutzer, der sich dann aber deutlich verringert. Oft kann auch die Einnahme von Schmerzmitteln deutlich reduziert werden. In Studien konnte auch eine verringerte Belastung des inneren Gelenkspaltes der Kniegelenke nachgewiesen werden. Auf diese Weise wäre es möglich, das Fortschreiten einer Kniegelenkarthrose zu bremsen.

Der Gehstock ist mit einem Sicherheitsgurt vergleichbar. Denn die Sturzgefahr wird deutlich gesenkt. Man sollte bedenken, dass jeder zehnte Sturz bei einem über 85 Jährigen eine Schenkelhalsfraktur zur Folge hat. Dies führt dann in 25 Prozent der Fälle innerhalb von sechs Monaten zum Tod und in 50 Prozent der Fälle zu einer Einweisung in ein Pflegeheim anstatt nach Hause! Somit sollte man ältere Familienangehörige, die eine Gehstörung haben oder einfach nur unsicher sind, dazu ermuntern, einen Gehstock zu benutzen. Eine unsachgemäße Benutzung eines Stockes kann auch zu Stürzen führen. Die betroffene Person muss sorgfältig in die Benutzung des Stockes eingewiesen werden. Bei einer schweren Gehstörung kommt eher ein Rollator in Frage.

Weiter zu Teil 2

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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