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Was uns Schmerz am Gelenk vielleicht noch sagen will

Gelenk

© vectomart

Funktionieren die Organe richtig, kann sich das an einem Gelenk zeigen. Das hängt damit zusammen, dass der Körper nach der Logik der Wechselseitigkeit arbeitet. Darunter versteht man, dass alle Organe des menschlichen Körpers mit einem Gelenk verbunden sind. Bei jedem Schritt, den wir zurücklegen, bewegen sich auch die inneren Organe, die durch Bänder und den Druck der Muskeln zusammengehalten werden. Bewegen sich die Organe nicht mehr richtig und sind ihre Verbindungen untereinander gestört, können Reizungen auftreten. So führt der Mensch beispielsweise in der Regel 20.000 Atemzüge pro Tag durch. Die Atemzüge bewegen das Zwerchfell und die inneren Organe ahmen die Bewegung dieses flachen, scheibenförmigen Muskels nach. Neben der Atmung fordern wir unseren Körper mit unserem täglichen Bewegungsprogramm. Mehrere Millionen Mal werden bestimmte Bewegungen ständig wiederholt und zwischen den Organen abgestimmt. Sind die Bewegungen disharmonisch, kommt es zu Störungen.

Was das Kniegelenk mit den Nieren zu tun hat

Dass zwischen Organen und Gelenken/Gelenk ein Zusammenhang besteht, ist in der chinesischen Medizin schon lange bekannt: Theoretisch können alle Organe Schmerzen an einem Gelenk verursachen, wenn sie nicht mehr richtig arbeiten. Doch scheinen bestimmte Organe einen stärkeren Einfluss auf Gelenke zu haben als andere. Nehmen wir als Beispiel das größte Gelenk des menschlichen Körpers – das Knie. Das Knie verfügt zwar über kräftige Knochen, doch ist das Gelenk durch das Laufen auf zwei Beinen sehr empfindlich. Die intensivste Organbeziehung zum Knie haben die Nieren. Kommt es zu einer Niereninfektion oder bilden sich Nierensteine, werden die dadurch verursachten Schmerzen von den Nervenfasern der Niere in die benachbarten Nervenfasern übertragen. Die Folge sind Schmerzen in den Lendenwirbeln, Hüften und vor allem in den Knien. Aufgrund der Verbindung zwischen den Gelenken und Organen kann es auch vorkommen, dass Knieschmerzen ohne Nierensymptome auftreten.

Bei Frauen besteht zudem eine wechselseitige Beziehung zwischen Geschlechtsorganen – insbesondere den Eierstöcken – und dem Knie. Vor allem Mädchen, die mitten in der Pubertät sind, haben geschwollene und schmerzende Knie. Die Ursache hierfür ist oft ein gereizter, aus der Lendenwirbelsäule austretender Nerv, welcher auch mit den Eierstöcken verbunden ist.

Was viele nicht wissen ist: Es gibt auch Verbindungen zwischen der Wirbelsäule und den inneren Organen. Die Nervenbahnen des Rückenmarks (Spinalnerven) tauschen sich ständig mit dem Gehirn aus. Und die Nerven des Rückenmarks geben an das Organ / Organsystem, mit dem sie in Verbindung stehen, Informationen des Gehirns weiter. Kommt es beispielsweise zu einer Fehlstellung eines Wirbels, kann dadurch bei einem Nerv eine Reizung entstehen. Bleibt die Reizung länger bestehen, können chronische Schmerzen entstehen.

Da die Spinalnerven je einem bestimmten Organ zugeordnet sind, besteht ein Zusammenhang zwischen bestimmten Beschwerden und den zugehörigen Nerven. So ist beispielsweise der Halswirbel C7 der Schilddrüse zugeordnet. Eine nicht korrigierte Fehlstellung des Halswirbels kann sich dann anhand von Schilddrüsenerkrankungen, Erkältungen, Schleimbeutelentzündungen oder auch einem Tennisarm manifestieren. Der Brustwirbel TH 2 steht mit dem Herz in Verbindung. Eine Problematik des Herzens kann sich an Brustschmerzen, Herzbeschwerden, Herzrhythmusstörungen und Ängsten zeigen. Mit der Leber ist der Brustwirbel TH 5 verbunden. Eine Fehlstellung an diesem Brustwirbel kann beispielsweise zu Müdigkeit, Anämie, Leberproblemen, Kreislaufschwäche (vor allem: niedriger Blutdruck) oder Gallenleiden führen.

Wenn der Schneidezahn der Halswirbelsäule Probleme bereitet

Auch zwischen Zähnen und Organen sind Wechselwirkungen beschrieben. Der gleiche Zusammenhang gilt für Gelenke. So sind für Zahnprobleme nicht immer ausschließlich Karies und Co. verantwortlich, sondern ein schmerzender Zahn kann auch ein Organ- oder Gelenkproblem widerspiegeln. Jeder Zahn ist eindeutig einem Organ und einem Gelenk zugeordnet. Die Weisheitszähne stehen beispielsweise mit der Schulter, der Hals- und Lendenwirbelsäule in Beziehung. Mit Blick auf die Organe kann es zu Wechselwirkungen mit dem Mastdarm und den Ohren kommen. Probleme an der Brustwirbelsäule oder den Füßen können sich an den Schneidezähnen bemerkbar machen. Zudem bestehen Wechselwirkungen zwischen den Schneidezähnen und den Nebennieren sowie den Stirnhöhlen.
Die beschriebenen Zusammenhänge zeigen, wie wichtig es ist, bei unklaren Beschwerden an Gelenken einen Arzt aufzusuchen.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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