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Arthrose in den Fingergelenken: Warum erkranken Übergewichtige häufiger?

Arthrose

© aboikis – Fotolia

Auch wenn die meisten in der Theorie genau wissen, wie wichtig Normalgewicht für ihre Gesundheit ist und wie abnehmen funktioniert, in der Praxis sieht es anders aus. Vielen fällt es schwer abzunehmen, eine geeignete Diät zu finden oder das Gewicht zu halten. Das spiegelt sich auch in der Anzahl der Übergewichtigen in den Industriestaaten wieder. Dort sind Übergewicht und Adipositas weit verbreitet – mit steigender Tendenz. In Deutschland ist nahezu jeder Vierte übergewichtig, in den USA sind es bereits etwa zwei Drittel der Bevölkerung. Ergebnisse der Nationalen Verzehrstudie II (NVS II) zeigen, dass 58,2 Prozent der Studienteilnehmer übergewichtig sind, 20,8 Prozent der Übergewichtigen sogar adipös (fettsüchtig).

Übergewicht belastet den gesamten Organismus und führt zu einer Reihe gesundheitlicher Probleme wie Herzkreislauferkrankungen, Diabetes oder Gelenkprobleme. Besonders die Gelenke im unteren Bereich der Wirbelsäule, Knie-, Sprung- und Hüftgelenke werden überlastet, das heißt, die tatsächliche Belastung der Gelenke und damit der Knorpel übersteigt deren Belastbarkeit. Die Gelenke nutzen sich schneller ab. Wissenschaftlich belegt ist der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Arthrose. Das Risiko an einer Kniearthrose zu erkranken ist für Übergewichtige eineinhalb Mal bis doppelt so hoch wie für Normalgewichtige. Das Risiko an einer schweren Kniegelenkarthrose zu erkranken ist für Übergewichtige sogar noch höher.

Das erklärt jedoch noch nicht, warum Menschen mit Übergewicht auch häufiger an Arthrose in den Händen, bzw. in den Fingergelenken leiden, als Normalgewichtige. Dafür verantwortlich scheinen sogenannte Adipokine zu sein, Hormone, die im Fettgewebe des Körpers produziert werden. Am besten untersucht in diesem Zusammenhang: die Adipokine Leptin und Adiponektin. Leptin spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Arthrose. Es fördert Entzündungen und zerstört die Knorpelmatrix. Studien konnten zeigen, dass bei übergewichtigen Arthrosepatienten die Leptin-Spiegel erhöht sind.[1]  Der Gegenspieler von Leptin ist das Adiponektin. Adiponektin scheint den Abbau von Knorpel zu hemmen und dessen Neubildung zu fördern. Bei Menschen mit Adipositas und Arthrose sind seine Plasmaspiegel jedoch signifikant reduziert, was die Entstehung einer Arthrose bzw. deren Voranschreiten zusätzlich fördert.[2] Eine Erklärung, warum Übergewichtige häufiger unter Arthrose, auch in den Händen, leiden.

Studien zeigen, dass das Risiko an einer Arthrose zu erkranken durch eine Gewichtsreduktion gesenkt werden kann. Selbst ein moderater Gewichtsverlust von 5 bis 10 Prozent des Körpergewichts kann einen gesundheitlichen Nutzen bringen.

Gesundheitlicher Nutzen bei Arthrose

Der Druck auf die Gelenke wird reduziert. Bereits 500 Gramm Gewichtsverlust resultiert in einer Druckentlastung von 2000 Gramm in den Knien. In anderen Worten: Wenn Sie 5 Kilo Gewicht verlieren, erreichen Sie eine Druckentlastung von 20 Kilo in den Knien.[3]

Schmerzen und Entzündungen werden gelindert. Die Ergebnisse einer Studie der Universität Paris aus dem Jahr 2010 deuten darauf hin, dass Gewichtsverlust Schmerzen reduzieren, die Funktion der Gelenke verbessern und das Entzündungsniveau im Körper senken kann. Bereits eine mäßige Gewichtsreduktion genügt, um einen deutlichen Rückgang klinisch relevanter Entzündungsmarker zu erzielen. Autoren einer weiteren Studie kamen zu dem Ergebnis, dass Übungen, die eine Gewichtsreduktion unterstützen, Schmerzen und Symptome einer Kniearthrose verringern können.[4]

Direkte positive Effekte auf den Knorpel. Durch Verringern des Fettgewebes im Körper sinkt der Leptin-Spiegel, der Adiponektin-Spiegel steigt. Dadurch können Entzündungen im Gelenk reduziert und der Knorpelabbau gehemmt werden.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

Quellen:

[1] Masuko K et al.  Clin Exp Rheumatol 2009;27:347-53.
[2] Conde J et al. Arthritis 2011.
[3] Arthritis & Rheumatism. 2005
[4] Curr Pain Headache Rep. 2011 Dec;15(6):423-30.

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