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Überlegungen zu einem optimalen Arthrose-Management

© peshkova - Fotolia.com

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Alles auf Anfang: Der erste Schritt bei einer Arthrose-Behandlung und dem Arthrose-Management ist die umfassende Aufklärung des Patienten. Dahinter steht eine relative neue Bewegung namens Patienten-Empowerment. Ziel des Patienten-Empowerment ist es, dem Betroffenen die Möglichkeit zu geben, sich selbst mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen. Er kann entscheiden, was er für seine Gelenke tun möchte. Nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit Zeit. Es geht darum, die verschiedenen Therapieoptionen zu kennen und bei Entscheidungen mitzuwirken. Manchmal wird die Aufklärung nicht gewünscht („ Sie sind der Arzt!“) oder der Patient ist aufgrund seines Alters oder seiner Verfassung nicht mehr in der Lage, sie zu verstehen.

Arthrose ist eine Erkrankung des Gelenkknorpels. Sie ist nicht heilbar und neigt normalerweise zur Verschlechterung. Übertriebene Erwartungen zu einem möglichen Therapieerfolg, sei es durch konservative oder operative Behandlungen, können nicht gestellt werden. Bei der Behandlung der Arthrose handelt es sich in den meisten Fällen lediglich um eine Reparatur.

Schmerzlinderung und die Verbesserung des funktionellen Status stehen bei der Arthrose-Behandlung im Vordergrund. Neben konservativen pharmakologischen oder nicht pharmakologischen Behandlungen, stellt die operative Therapie zu jeder Zeit eine Möglichkeit dar. Was jedoch keinesfalls bedeuten soll, dass leichtfertig operiert wird. Vor der Entscheidung steht ein sorgfältiges Abwägen des „für“ und „wieder“. Insbesondere gelenkerhaltende Eingriffe, aber auch Gelenkersatz haben beim individuellen Patienten einen idealen Zeitpunkt, der gemeinsam mit allen beteiligten Therapeuten erfasst wird.

In letzter Zeit wurden von mehreren Fachgesellschaften Leitlinien zur Arthrose-Behandlung aufgestellt, die eine bestimmte Vorgehensweise empfehlen. Im Vordergrund stehen vor allem medikamentöse Behandlungen der Arthrose. Weiterhin werden Stellungnahmen und Empfehlungen zu bestimmten Behandlungen abgegeben. Die Stellungnahmen richten sich danach, ob wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit vorliegen oder nicht. Der Arzt kann in begründeten Fällen bei seiner Behandlung von den Leitlinien abweichen.

Das Arthrose-Management beginnt idealerweise mit dem Status des klinischen Ist-Zustands des Betroffenen. Das bedeutet, der Arzt schaut, wie weit die Arthrose fortgeschritten ist, wie stark der Patient unter Schmerzen leidet und wie es um seine Beweglichkeit bestellt ist. Als zweiten Schritt werden die persönlichen Risiken bewertet. Hierzu gehören Muskelstatus (Kraft, Verkürzungen, Koordination), Ernährungszustand und Aufstellung der aktuellen Ernährungpläne, Begleiterkrankungen (Diabetes, Herzerkrankungen), genetische Vorbelastungen (Prädispositionen), aktuelle Medikamenteneinnahme, soziale Einbindung, körperliche Belastungen im Beruf und in der Freizeit.

Erst wenn all diese Faktoren erfasst sind, kann durch den Arzt eine Aufklärung über die verschiedenen Therapien, sowohl schulmedizinische als auch alternative, erfolgen. Unter Umständen ist eine lebenslange Behandlung notwendig. Auch dann, wenn eine genaue Prognose über den Krankheitsverlauf nicht möglich ist.

Wichtig ist eine Beratung über mögliche Gelenkschutzmaßnahmen und zwar sowohl für den Beruf als auch für die Freizeit, beispielsweise beim Sport. Der Arzt wird dem Patienten auch Aktivitäten empfehlen, die das Gelenk schonen. Falls notwendig, erhält der Betroffene Anregungen, wie er seine Ernährung umstellen und sein Körpergewicht verringern kann. Bei Bedarf kann auch ein Ernährungsberater hinzugezogen werden. Physiotherapeuten und Sportlehrer unterstützen Patienten, indem sie individuelle Programme erarbeiten, die speziell auf die erkrankten Gelenke des Patienten angepasst sind. Alternative Behandlungen wie Akupunktur oder Osteopathie können bei Bedarf hinzugefügt werden und bei einer deutlich erkennbaren (objektivierbaren) Wirkung weitergeführt werden. In manchen Fällen ist es sinnvoll, auch die Kompetenz eines Orthopädietechnikers hinzuzuziehen, wenn Hilfsmittel wie Orthesen oder Schuhversorgungen in Frage kommen.

Der Patient ist bei Arthrose gefordert, vielleicht mehr als bei anderen chronischen Krankheiten. Er muss einen eigenen Beitrag leisten, um seine Erkrankung unter Kontrolle zu behalten. Um das zu schaffen, ist eine ausführliche Aufklärung erforderlich. Einerseits über die Krankheit und die mögliche Prognose, andererseits über die zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten. Dabei ist es wichtig den Patienten darauf hinzuweisen, dass viele der zum Beispiel im Internet angebotenen „innovativen“ Heilmethoden an Wirkung und Seriosität große Mängel aufweisen.

Da wir von einer zunehmenden Erhöhung der Lebenserwartung ausgehen müssen und damit nicht unbedingt die „Lebenserwartung“ unserer Gelenke steigen wird, kann die Arthrose-Behandlung nicht aus einer alleinigen Verschreibung von Schmerzmitteln und der Empfehlung eines Gelenkersatzes bestehen, wenn die Schmerzmittel nicht mehr wirken.

Bei den heutigen Rahmenbedingungen im Gesundheitssystem ist eine auf Prävention und Krankheits-Management beziehungsweise Arthrose-Management ausgelegte Medizin schwer durchzuführen. Auf Dauer wird das Gesundheitssystem es sich nicht leisten können, diese Bereiche auszuklammern.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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