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Ein verhängnisvolles Duo – Sturz und Schenkelhalsbruch

© Dan-Race - Fotolia

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Was man dagegen tun kann

Jeder kann überall hinfallen. Doch wenn man älter wird, nehmen Häufigkeit und Schwere der Verletzungen durch Stürze zu. Ein Sturz kann ein lebensveränderndes Ereignis sein, das zu einer deutlichen Reduzierung der Mobilität und somit der Unabhängigkeit führen kann. Viele Stürze haben einen definitiven Aufenthalt im Pflegeheim zur Folge.

Fakten und Statistik

Wenn auch das Sturzrisiko (mindestens ein Sturz innerhalb von 2 Jahren) bei über 65-Jährigen nur leicht über dem der 20 bis 65-Jährigen liegt (30% gegenüber 20%), sind doch die Folgen viel schlimmer. Die Sturzhäufigkeit ist bei Bewohnern von Pflegeheimen (40%) oder gar bei Demenzerkrankten (62%) deutlich höher.

Die Folgen sind teilweise schwere Verletzungen (innerhalb eines Jahres kommt es im Schnitt zu 7 Knochenbrüchen auf 100 Pflegeheimbewohner). Neben den körperlichen Verletzungen haben viele Menschen, die bereits gestürzt sind, Angst erneut zu stürzen und vermeiden deshalb viele Aktivitäten. Nur 25% der Patienten mit einer Hüftfraktur genesen vollständig, 40% sind auf ein Pflegeheim angewiesen, 50% brauchen einen Gehstock oder einen Rollator, 20% versterben innerhalb eines Jahres. Man kann von über 100.000 Oberschenkelhalsfrakturen pro Jahr ausgehen. Tendenz steigend. Die Kosten belaufen sich auf circa 2,5 Milliarden pro Jahr.

Ursachen

Viele Faktoren können das Sturzrisiko und die Schwere der Verletzung beeinflussen. Medizinische Risikofaktoren sind eine Gehstörung, eine gestörte Funktion des Gehapparates (nach Muskelrupturen, nach Knochenbrüchen, durch schmerzhafte und eingesteifte Gelenke) sowie Osteoporose. Weiterhin können kardiale Probleme wie Herzrhythmusstörungen und Blutdruckschwankungen einen Sturz bedingen. Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson oder Koordinationsstörungen nach einem Schlaganfall sind auslösende Faktoren. Eine eingeschränkte Seh- und Hörfähigkeit und Nebenwirkungen von Medikamenten können ebenfalls Stürze auslösen.

Persönliche Faktoren wie übermäßiger Alkoholkonsum oder eine zu geringe Flüssigkeitseinnahme und mangelhafte Ernährung können die Reaktionszeit und die Kraft beeinflussen. Neben dem Alter kann die Koordination und die Balance sowie die Muskelkraft durch zu wenig Bewegung beeinflusst werden.

Eine weitere, häufig zu wenig beachtete Ursache sind die Stolperfallen in den eigenen vier Wänden. Hierzu gehört die Kombination von falschem Schuhwerk mit glatten Böden (lose Teppiche, nasser Boden im Badezimmer), die oft fatale Folgen haben.

Vorbeugen ist wichtig

Einiges sollte man mit seinem behandelnden Arzt besprechen:

  • Können die eingenommen Medikamente das Sturzrisiko erhöhen?
  • Werden die Medikamente wie verschrieben eingenommen? Werden sie vertragen?
  • Sind die Augen in Ordnung oder wird eine neue Brille gebraucht?
  • Sind Blutdruck und Herzrhythmus in Ordnung?
  • Übermäßiger Alkohol- und Zigarettenkonsum sollte vermieden werden.

Regelmäßige Aktivitäten wie Fahrradfahren, Gartenarbeiten oder ein Übungsprogramm erhalten Koordination und Muskelkraft. Und sie bremsen außerdem das Fortschreiten der Osteoporose.  Auf adäquate Schuhe ohne glatte Sohle muss unbedingt geachtet werden, Hausschuhe sollten eine profilierte Sohle haben und den Fuß fest halten. Niemals in Socken gehen!

Antirutschmatten in der Dusche oder in der Badewanne sind wichtig. Lose Teppiche müssen geklebt oder entfernt werden. Bei Bedarf sollten an strategischen Stellen im Bad Handgriffe befestigt werden, Treppen rutschfest und gut beleuchtet sein. Türschwellen stellen ebenfalls eine Gefahrenquelle für Stürze dar. Sie sollten entfernt werden oder gut markiert sein. Auf dem Boden liegende Verlängerungskabel oder Telefonkabel sind Stolperfallen. Sie werden am besten überklebt oder entfernt. Der Boden sollte frei sein von herumliegenden Objekten.

Ein Stuhl ist niemals ein geeigneter Leiterersatz. Manche Aufgaben wie Wechseln von Glühbirnen oder Aufhängen von Gardinen kann man an Jüngere abgeben. Insgesamt auf eine ausreichende Beleuchtung achten, vor allem nachts. Sitzflächen sollten nicht zu tief sein, das Bett weder zu hoch noch zu niedrig.

Wenn dann der Sturz doch passiert

Nicht in Panik verfallen und die Situation abschätzen. Wenn man nicht mehr aufstehen kann, sollte man die Möglichkeit haben, sich zu einem Telefon zu bewegen (kriechend auf dem Boden). Ideal ist in dem Fall, ein Handtelefon dabei zu haben. Begibt man sich in entfernte Bereiche (Keller, Speicher), so sollte man es immer mit sich führen.

 

Autor: Birgit Klötzer, M.A., wissenschaftliche Redakteurin

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