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Vorübergehendes Stehen kann Rückenschmerzen verringern

Rückenschmerzen

© contrastwerkstatt – Fotolia

Wie Berufstätige mit ihren Rückenschmerzen umgehen können, zeigt eine neue Studie. Die Studie legt nahe, dass wiederholtes 30-minütiges Stehen während einer sitzenden Tätigkeit Rückenschmerzen verringern kann, ohne dass dies der Produktivität schadet.

Australische Büroangestellte, die während einer Woche abwechselnd im Sitzen und im Stehen tätig waren, hatten weniger Rückenschmerzen und ausstrahlende Schmerzen in den Beinen. Sie fühlten sich auch weniger müde, als wenn sie den ganzen Tag gesessen hätten.

Laut Alica A., Research Fellow am Baker IDI Heart and Diabetes Institute in Melbourne, Leiterin der Studie, haben die Ergebnisse bestätigt, dass die Einführung regelmäßiger Pausen in der Arbeitszeit muskuloskelettale Symptome und Müdigkeit verringern.

Langes Sitzen ist mit einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen verbunden, aber Büroangestellte haben in ihrer Arbeitsumgebung kaum eine andere Wahl. Viele leiden deshalb beispielsweise unter Rückenschmerzen. Untersuchungen fanden heraus, dass Büroangestellte rund fünfundsiebzig Prozent ihrer Arbeitszeit sitzend verbringen.

Weniger müde und weniger Rückenschmerzen durch Wechsel von Sitzen und Stehen

Für die Studie wurden 23 Personen ausgewählt, 17 Männer und 6 Frauen, die dann zwei Gruppen zugelost wurden. Alle Personen waren mittleren Alters, 15 waren übergewichtig, der Rest war fettleibig. Jeder benutzte eine elektrisch höhenverstellbare Arbeitsstation, aber eine Gruppe saß während des acht-stündigen Arbeitstags und die andere wechselte alle 30 Minuten zwischen Sitzen und Stehen. Die Personen arbeiteten über einen Zeitraum von fünf Tagen auf diese Weise, dann wechselten sie die Rollen für eine zweite fünf-Tage-Arbeitswoche. Sie trugen während der Studie einen Aktivitätsmonitor am linken Oberschenkel und füllten Fragebögen aus. Es stellte sich heraus, dass die Probanden bei der Arbeit im Wechsel zwischen Stehen und Sitzen einen niedrigeren Müdigkeitsscore hatten. Sie gaben auch 32 Prozent weniger muskuloskelettale Probleme im unteren Lendenwirbelsäulenbereich an. Sie gaben jedoch auch an, bei der nur sitzenden Tätigkeit besser fokussiert und konzentriert zu sein, was sich aber nicht negativ auf die Produktivität auswirkte. Die Gruppe mit einer wechselnden Tätigkeit im Sitzen und Stehen gab eine geringere Neigung zu Ungeduld und Reizbarkeit an. Der Arbeitsplatz mit der Option zum Arbeiten im Stehen wurde insgesamt als viel angenehmer empfunden.

Auch wenn die Studie nur mit einer kleinen Gruppe ausgeführt wurde und die Probanden überwiegend übergewichtig waren (die Studie befasst sich auch mit Diabetes und Herzerkrankungen), sind einige Schlussfolgerungen möglich:

  • Durch die festgestellte deutliche Verringerung der Müdigkeit bereits innerhalb einer Woche kann man eventuell davon ausgehen, dass die Produktivität über einen längeren Zeitraum gesteigert werden kann.
  • Die Studie zeigt, dass Stehen und Sitzen günstiger ist als nur Sitzen, wobei länger als 30 Minuten am Stück auf der Stelle stehen auch wiederum Rückenprobleme verursachen kann. Besser ist dann, sich zu bewegen (zum zum Kollegen gehen und nicht mailen, Treppen benützen, Telefonieren im Stehen, Meetings im Stehen).
  • Die Versuchspersonen waren alle übergewichtig, jedoch kann man davon ausgehen, dass die Beobachtungen der Studie genauso auf Normalgewichtige zutreffen. Es kann jedoch keine Aussage darüber gemacht werden, wie es sich auf jemanden auswirkt, der bereits starke Rückenprobleme hat.
  • Höhenverstellbare Arbeitsplätze werden sehr gerne angenommen und erlauben eine einfache Anpassung des Arbeitsplatzes an die jeweiligen persönlichen Bedürfnisse, die sich täglich verändern können.

Menschen mit Rückenschmerzen könnten der Studie zufolge versuchen, durch abwechselndes Stehen und Sitzen ihre Beschwerden zu lindern.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

Quelle: Alicia A. Thorp et al. Stints of Standing While Working May Reduce Back Pain. Occupational and Environmental Medicine August 2014

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