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Rolfing – Wieder im Lot sein (I)

© Adam-Gregor - Fotolia

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Rolfing, auch strukturelle Integration genannt, ist eine manuelle Körperarbeit, die von einem hierfür qualifizierten Therapeuten durchgeführt wird. Die Behandlung erfolgt in 10 aufeinander aufbauenden Sitzungen mit dem Ziel das körperliche und seelische Wohlbefinden des Patienten größtmöglich zu verbessern.

Entwickelt wurde Rolfing von der Amerikanerin Dr. Ida Rolf in den 1950er Jahren. Rolf hatte ursprünglich eine schulmedizinische Ausbildung in den Vereinigten Staaten absolviert. Doch wurde es ihr Laufe ihres Lebens immer mehr zum Anliegen, die schulmedizinischen Ansätze zu erweitern. Denn sie war nicht bereit, die damaligen Einschränkungen der Medizin zu akzeptieren. Sie integrierte in ihre Untersuchungen eine breite Palette anderer Ansätze. Zu diesen Ansätzen gehörten unter anderem Chiropraktik aber auch Yoga oder Korzybskis Bewusstseinsstudien.

Dr. Ida Rolf versuchte all diese Ansätze auf einer Ebene zu vereinen und entwickelte die sogenannte Strukturelle Integration – eine Technik, die schließlich nach ihr benannt wurde. Um möglichst vielen Menschen zu helfen und um ihre Methodik bekannt zu machen, bereiste sie die ganze Welt. Ziel von Rolfs Reisen war es, möglichst vielen Menschen zu helfen und Wissen weiter zu geben. Heute wird ihre Methode von ungefähr 1.500 Rolferinnen und Rolfern weltweit angewendet. Rolf hinterlässt eine faszinierende Behandlung, die sich auf jeden Fall lohnt, näher betrachtet zu werden. Sogar einigen Stars konnte Dr. Ida Rolf mit ihrer manuellen Körpertherapie helfen. Sie behandelte zum Beispiel Greta Garbo, Cary Grant und Marlene Dieterich. Dr. Ida Rolf starb 1970.

Ziel des Rolfings

Ein wesentlicher Aspekt des Rolfing ist die Schwerkraft. Die Schwerkraft stellt eine ordnende Grundkraft dar, denn ohne die Schwerkraft wäre der menschliche Organismus auf der Erde nicht lebensfähig. Dass die Schwerkraft die äußere und innere Form des Körpers beeinflusst, wurde insbesondere auch durch die Weltraummedizin bestätigt. Im schwerelosen Raum neigt der Körper zur Formlosigkeit, da die ordnende Kraft – die Schwerkraft entfällt. Fehlt die Schwerkraft, verändern beispielsweise Organe ihre Lage in den Körperhöhlungen. Für den Menschen hat die Schwerkraft eine besondere Bedeutung, seit er auf zwei Beinen steht. Im Gegensatz zur zweibeinigen, sind bei der vierbeinigen Fortbewegung, die Bewegungsabläufe fließend und geschmeidig, einzelne Segmente werden nicht überlastet. Beim Gang auf zwei Beinen übernimmt der Rücken die Aufgabe des Vermittlers zwischen den einzelnen dynamischen Bereichen, innerhalb derer die Bewegung von Armen und Beinen auf den Rumpf treffen. Steht der Mensch aufrecht, ist der Rücken der Schwerkraft ausgesetzt und muss seine Aufgaben unter ihrem Einfluss ausführen. Das heißt, sobald ein Körperabschnitt nicht mehr im Lot ist, wird dieses ‚Ungleichgewicht‘ durch einen anderen Körperabschnitt ausgeglichen. Ohne diesen Ausgleich würden ‚Zweibeiner‘ ständig in verschiedene Richtungen kippen. Beim Menschen hat jede Verschiebung, jedes ‚aus dem Lot sein‘ eine Fortsetzung von Verschiebungen zur Folge. Jede Spannung wirkt wie ein Dominoeffekt und führt zu weiteren Ausgleichsspannungen. Und diese Abfolgen von Ausgleichspannungen sind noch am entlegensten Bereich des Körpers spürbar.

Dass so viele Menschen Schmerzen haben und sich nicht in ihrem Körper zu Hause fühlen, hängt mit einer schlechten Haltung zusammen. Sie sind also ‚nicht im Lot‘. Relativ selten kann man eine aufrechte Haltung beobachten. Beispiele für eine schlechte Haltung sind beispielsweise ein Hohlkreuz oder ein Rundrücken oder hängende Schultern. Die Körperhaltung wird durch mehrere Einflüsse bestimmt. So spielen genetische Anlagen eine Rolle aber auch erworbene falsche Haltungen oder Bewegungsabläufe, wie beispielsweise zu langes Sitzen in einer falschen Position. Neben diesen Faktoren wirken sich auch traumatische Ereignisse wie Verletzungen oder negativer Stress auf die Körperhaltung aus. All diese Ereignisse verändern das Bindegewebe, welches alle Strukturen des Körpers miteinander verbindet. Bindegewebe besteht aus Collagenfasern in einer flüssigen Umgebung. Hierdurch ist es in der Lage, Spannungen zu übernehmen und weiterzugeben. Die Weichteil-Komponenten des Bindegewebes – die sogenannten Faszien durchdringen den ganzen Körper wie ein umhüllendes und verbindendes Spannungsnetzwerk. Faszien umhüllen die Muskeln und sind helle Gewebeschichten, die hauchdünn, aber auch einige Millimeter dick sein können. Faszien sind schmerzempfindlich, können sich verhärten, entzünden, verdicken und so starke Schmerzen verursachen. Das Bindegewebe / die Faszien können sich an Stärke und Richtung der Spannungen anpassen – und dies sogar über einen längeren Zeitraum. Durch Fehlhaltungen wird in den Gelenken Gewebe aufgebaut und auf diese Weise die Bewegung behindert. Das Atmen wird schwieriger und die körperliche sowie die seelische Energie verringern sich.

 

Autor: Birgit Klötzer, M.A., wissenschaftliche Redakteurin

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