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Pseudogicht: Es muss nicht immer Arthrose sein!

Pseudogicht

© underdogstudios – Fotolia

Pseudogicht ist eine Arthritisform. Sie ist definiert durch plötzliche, schmerzhafte Schwellungen an einem oder mehreren Gelenken. Die Episoden können nur Tage oder mehrere Wochen dauern. Das am häufigsten betroffene Gelenk ist das Knie.

So wie die Gicht wird die Pseudogicht durch Ablagerungen von Kristallen in den Gelenken ausgelöst. Während es sich bei der Gicht um Uratkristalle handelt, sind es bei der Pseudogicht Kalziumpyrophosphate. Es konnte bisher nicht nachgewiesen werden, warum sich die Kristalle im Gelenk bilden. Das Risiko, eine Pseudogicht zu entwickeln, steigt mit zunehmendem Alter. Bedingt durch den demografischen Wandel kann von einer steigenden Anzahl der Betroffenen ausgegangen werden.

Die Pseudogicht trifft, im Gegensatz zur Gicht, eher die großen Gelenke, vor allem das Knie, manchmal auch Sprung- und Handgelenk.

Symptome

Die Symptome manifestieren sich akut, innerhalb von einigen Stunden. Die Schmerzintensität ist vergleichbar mit der Gicht. Der Verlauf geht über einige Tage bis zu drei Wochen. Die Anfälle sind meistens ohne Auslöser. Sie können jedoch auch nach einem Trauma, nach Operationen, bei internistischen Grunderkrankungen wie Herzinfarkt, Pneumonie (Lungenentzündung) oder Bluttransfusionen auftreten oder durch infektiöse Gelenkerkrankungen ausgelöst werden. Auch Medikamente können der Auslöser sein (beispielsweise nach Hyaluronsäureinjektion direkt in das Gelenk oder nach Beginn einer Thyroxinbehandlung).

Formen

Die häufigste Form ist die sporadische, idiopathische Form. Seltener sind familiäre Formen oder sekundäre Formen (bei einer metabolischen Grunderkrankung).

Die asymptomatische Chondrokalzinose (Ablagerung von Kalziumphyrophosphat im Knorpel oder in den Menisken) findet sich zum Beispiel im Knie bei vier Prozent der Erwachsenen. Eine akute Manifestation ist die Pseudogicht, die man somit als kristall-induzierte Synovitis (Schleimhautentzündung) bezeichnen kann. Durch eine chronische Verlaufsform kann sich auch eine Arthrose entwickeln (im Kniegelenk handelt es sich dabei oft um eine Arthrose des Kniescheibengelenklagers). Die Erkrankung kann auch mehrere Gelenke gleichzeitig befallen und die Form eines Gelenkrheumas annehmen. Möglich sind auch Formen, die innerhalb von wenigen Monaten den Knorpel eines Gelenks zerstören.

Bei älteren Menschen tritt die Pseudogicht oft mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes auf. Fieber oder Verwirrtheit sind dann möglich. Ausgeschlossen werden sollten deshalb auch eine infektiöse, septische Ursache für die Gelenkentzündung.

Diagnostik

Die Diagnostik erfolgt in der Regel mit einer Untersuchung des Gelenkpunktates auf Kristalle (der Gelenkerguss wird mit einer Nadel abgesaugt und zur Untersuchung ins Labor geschickt). Eine Röntgenaufnahme kann auch manchmal Verdichtungslinien oder Kalkablagerungen nachweisen (im Röntgenbild des Kniegelenks werden verkalkte Menisken sichtbar).

Behandlung

Bei akutem Befall eines Kniegelenks kann der schmerzhafte Erguss punktiert und Kortison infiltriert werden. Lokal können Kältepackungen angelegt werden. Zusätzliche Linderung kann auch, bei Verträglichkeit, durch die Einnahme oraler entzündungshemmender Medikamente erreicht werden.

Die durch die Kristallablagerungen ausgelöste sekundäre Arthrose kann nur behandelt werden wie eine typische Arthrose. Eine ursächliche Behandlung oder eine Basisbehandlung (wie bei der rheumatoiden Arthritis) gibt es nicht.

Wichtig

  • Die Pseudogicht ist eine häufige Erkrankung im hohen Alter (ab 80 Jahre).
  • Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis der Kristalle im Gelenkpunktat.
  • Kortison direkt in das Gelenk gespritzt nimmt die Schmerzen am wirksamsten weg.
  • Eine wirksame Prophylaxe gibt es nicht.
  • Die Behandlung der durch die chronische Erkrankung ausgelösten Arthrose richtet sich nach den allgemeinen Arthrosebehandlungsrichtlinien.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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