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Prothesenallergie: Was tun?

Prothesen-Allergie

© adam88xx – Fotolia.com

Eine Prothesenallergie ist eine Allergie auf Bestandteile der Prothese. Zu den häufigsten Komplikationen gehören Infektionen und Lockerung der Prothesen; eine Prothesenallergie wird als weitere mögliche Komplikation diskutiert.

Insgesamt gesehen stellt die Implantation von Prothesen heutzutage ein Routineverfahren dar, das alleine in Deutschland über 500.000 Mal pro Jahr durchgeführt wird.

Zusammensetzung der Prothesen und Ursache der Allergie

Edelstahl, Kobalt-Chrom-Molybdän (Co-Cr-Mo) Legierungen, Titan und Titanlegierungen (mit Aluminium, Vanadium, sind als Bestandteile von Hüft- und Knieprothesen, sowie alle weiteren Prothesen (Schulter, Sprunggelenk, Handgelenk) wegen ihrer Korrosionsbeständigkeit und Haltbarkeit weit verbreitet. Des Weiteren werden Vitallium, Tantal, Vanadium und Zirkonium eingesetzt.

Edelstahl enthält häufig Chrom, Nickel, Mangan, Molybdän und eine niedrige Konzentration an Kohlenstoff. Je höher die Reinheit des Metalls, umso höher ist die Korrosionsbeständigkeit. Die Stärke und der Widerstand gegen Materialermüdung des Stahls erklärt seine große Verbreitung. Titanlegierungen enthalten kein Chrom, Kobalt oder Nickel. Titan hat eine geringere mechanische Festigkeit und kann auch nicht für die Oberfläche von miteinander artikulierenden (aufeinander treffenden) Gelenkteilen eingesetzt werden. Es tritt nicht in Wechselwirkung mit Stoffwechselvorgängen im Körper (physiologisch inert) ein und lässt den Knochen besser anwachsen.

Möglich ist auch eine Prothesenallergie, die durch Komponenten des Knochenzements hervorgerufen wird. Die Häufigste ist eine Reaktion auf eine mögliche Antibiotikakomponente (Gentamicin)

Es gibt verschiede Arten der Metallkorrosion: durch Rissbildungen, Materialermüdung, galvanische Prozesse, Abrieb usw. Am Ende des Prozesses werden Metallpartikel freigesetzt. Bestimmte körpereigene Substanzen wie Aminosäuren, Proteine und Chlorid-Ionen können diesen Prozess beschleunigen. Die Metallionen werden nach und nach freigesetzt und können eine Prothesenallergie verursachen. Die allergene Wirkung von Nickel, Chrom und Kobalt auf die Haut ist bekannt. Diese Metallionen können Hautekzeme auslösen.

Metallionen sind im Körper notwendig, aber in hohen Konzentrationen können sie Zellen angreifen (zelltoxisch wirken) und Krebs erregend sein. Erhöhte Metallionenkonzentrationen konnten bei Prothesenträgern im Blut, in der Gelenkflüssigkeit und der Gelenkkapsel sowie im Urin nachgewiesen werden. Weiterhin werden erhöhte Konzentrationen in verschiedenen Organen gefunden wie der Lunge, Leber und den Nieren. Was die maximal tolerierbaren Konzentrationen betrifft, konnten bisher noch keine eindeutigen Zahlen festgelegt werden. Die Metallionen können sich mit Proteinen verbinden und so Empfindlichkeitsreaktionen auslösen.

Gibt es typische Symptome für eine Prothesenallergie?

In der Bevölkerung wird eine zunehmende Sensibilisierung auf Nickel, Chrom und Kobalt festgestellt, wobei bereits zwölf Prozent auf Nickel allergisch sind. Sind die Symptome bei Hautkontakt oft eindeutig, ist die Diagnose bei Prothesenträgern deutlich schwieriger. Aus diesem Grund liegen bisher auch keine genauen Zahlen vor.

Die Symptome einer Prothesenallergie gleichen oft einer beginnenden Infektion. Die Palette der Symptome reicht von Rötungen, Schwellungen und Ekzeme bis hin zu Wundheilungsstörungen und Fistelbildungen. Eine Prothesenallergie tritt häufiger bei hautnahen Implantaten, wie Knieprothesen, seltener bei Hüftprothesen auf. Beschrieben werden auch allergiebedingte Prothesenlockerungen.

Oft ist die Unterscheidung zwischen einer allergischen Reaktion und einer Infektion nicht einfach. Die Diagnoseverfahren reichen von Laboruntersuchungen bis hin zu Gewebeproben.

Wie kann man vorgehen?

Vor einem Eingriff, sei es eine Prothesenimplantation oder die Behandlung eines Knochenbruchs mit Platten und Schrauben, sollte bereits nach bekannten Allergien nachgefragt werden.

Es kann dann bei Bedarf auch vor einer Prothesenimplantation mit den bekannten Bestandteilen der vorgesehenen Implantate eine Allergietest durchgeführt werden.

Ist eine Prothese bereits implantiert, können spezifische Untersuchungen einen Infekt eventuell ausschließen (kein Keimnachweis!). Weitere Untersuchungen wie Gewebeproben und Epikutanteste (Hauttests) können den Verdacht einer Allergie erhärten.

Endoprothesen für Allergiker

Für den Allergiker gibt es spezielle Prothesen. Es handelt sich dabei um Prothesen aus Titan oder einer Titanbeschichtung. Dadurch wird die Abgabe von Metallionen verringert. Eine andere Möglichkeit ist die Beschichtung der Prothesenoberfläche mit einer Keramikschicht. Es handelt sich dabei um Oxinium, das an der Prothesenoberfläche durch Wärme in Keramik umgewandelt wird.

Wenn Knochenzement die Ursache der Prothesenallergie ist, kann, wenn möglich, eine zementfreie Prothese eingesetzt werden.

Insgesamt handelt es sich bei der Problematik Allergie und Prothese um ein noch nicht definitiv gelöstes Problem. Es müssen weitere Diagnoseverfahren gefunden werden, die bei einem Verdacht definitiv eine Allergie nachweisen können.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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