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Physiotherapie – nicht-medikamentös gegen Arthrose

Physiotherapie

© imagox – Fotolia.com

Die Physiotherapie – als nicht-medikamentöse Behandlung der Arthrose – gilt als erste Stufe der Arthrosetherapie, kann aber auch über alle Stadien hinweg begleitend eingesetzt werden. Es gibt ein weites Spektrum verschiedenster Anwendungen. Alle Methoden der Physiotherapie, die bei Arthrose in Betracht kommen, dienen der Behandlung von akuten und chronischen Schmerzen sowie Funktionsstörungen. Die Physiotherapie verbessert, beziehungsweise korrigiert zudem Fehlstellungen des Gelenks und Situationen mit ungünstiger Belastung (längeres Stehen oder Knien) – Faktoren, die zur Entwicklung einer Arthrose beitragen können. Patienten können sich so eine gesündere Körperhaltung aneignen und lernen, wie sie ihre Gelenke schonen können. So erreichen Arthrose-Patienten häufig auch eine Besserung von Schmerzen, Steifigkeit und anderen Symptomen. Durch eine Stärkung der gelenkumgebenden Muskulatur wird das betroffene Gelenk entlastet, und die Bewegungsfähigkeit bleibt erhalten.

Krankengymnastik

Bei der Krankengymnastik handelt es sich um passive Behandlungsformen wie Massagen und Dehnübungen und aktive körperliche Bewegungsübungen unter Anleitung von Physiotherapeuten. Ziel ist es, Funktionsstörungen des Körpers und Fehlentwicklungen zu beseitigen oder zu vermeiden und Heilungsvorgänge zu unterstützen. Der Patient wird meist aktiv in den Heilungsprozess einbezogen. Krankengymnastik findet Anwendung besonders in der Orthopädie (z.B. bei Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, Haltungsfehlern), Neurologie (z.B. bei Schlaganfallpatienten oder Spastikern), Gynäkologie (bei Schwangerschaften) und Chirurgie (z.B. nach Operationen des Bewegungsapparates). Sie wird vorbeugend, therapieunterstützend und in der Rehabilitation eingesetzt.[1]

Beispiele für krankengymnastische Anwendungen

  • Krafttraining (gelenkführende Muskeln)
  • Mobilisation versteifter Gelenke und Kontrakturprophylaxe
  • Belastungstraining (dosiert)
  • Ergotherapie (Hilfe zur Bewältigung von Aktivitäten des täglichen Lebens)
  • Hilfsmittelgebrauch
  • Koordinations- und Gleichgewichtstraining
  • Walking 

Manuelle Therapie (MTT)

Bei der MTT steht der ganzheitliche Ansatz im Vordergrund. Gestörte körperliche, psychische und soziale Funktionen werden ausgeglichen, Sekundärschäden wird vorgebeugt und gesundheitliches Verhalten gefördert. Die MTT beinhaltet aktive und passive Dehnung verkürzter muskulärer und neuraler Strukturen, Kräftigung der abgeschwächten Antagonisten und Gelenkmobilisationen. Eingesetzt werden Kraftmaschinen, Gewichte oder isometrische Übungen gegen einen fixen Widerstand.

Das Trainingsprogramm besteht aus

  • Krafttraining
  • Ausdauertraining
  • Koordinationstraining
  • Dehnungstherapie
  • Übungsprogramm für Zuhause

Was kann erreicht werden?

  • Ausdauer und Muskelkraft werden gestärkt.
  • Beweglichkeit und Koordination verbessern sich.
  • Atmung und Herzkreislaufsystem werden trainiert.

Physikalische Therapie

Im Rahmen der physikalischen Therapie bedient man sich hauptsächlich der Wärme- und Kälteanwendungen, jeweils in Abhängigkeit vom aktuellen Zustand der Arthrose. Bei akuten Schmerzen hilft Kälte (die sogenannte Kryotherapie) wie beispielsweise Eispackungen. Wärme wird am nicht akut schmerzen Gelenk als wohltuend empfunden, zum Beispiel in Form von Fangopackungen, Moorbädern oder feuchten Wickeln.

Elektrotherapie

Die Elektrotherapie nutzt die Wirkung elektrischer Ströme auf den Organismus. Die hauptsächlichen Anwendungsgebiete liegen in der Schmerzlinderung, Durchblutungsverbesserung und Tonisierung/ Detonisierung der Muskulatur; z.B. bei Ischias-Schmerzen, Rheuma und Arthrose oder bei Muskelverspannungen. Der Strom kann durch Elektroden, die auf die Haut geklebt werden, durch den Körper geleitet werden. Auch Voll- oder Teilbäder sind möglich, bei denen der Strom durch das Wasser an die Haut geleitet wird (z.B. Stangerbäder, Iontophorese). Aus der Vielzahl der verschiedenen Anwendungen eignet sich die TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation) nach ärztlicher Anleitung auch zur Selbstbehandlung vor allem in der Schmerztherapie. Bei der TENS werden über Elektroden auf der Haut die dort verlaufenden Nerven gereizt. Dieser Reiz ist nicht schmerzhaft, man verspürt lediglich ein leichtes Kribbeln. Vermutlich führt er aber dazu, dass der Körper seine Systeme der Schmerzregulation aktiviert, die Schmerzschwelle des gesamten Organismus wird heraufgesetzt. Die Schmerzen werden daher weniger stark oder gar nicht mehr wahrgenommen.

Balneotherapie

Der Unterschied zu normalen Wasseranwendungen wie beispielsweise bei Kneipp-Kuren liegt insbesondere am höheren Gehalt von gelösten Stoffen, z.B. an Mineralien, Kohlensäure, Sole, Schwefel, aber auch radioaktiven Elementen. Die Anwendung des Mineralwassers erfolgt entweder am ganzen Körper oder an Körperteilen. Allein der Auftrieb durch das mineralisierte Wasser entlastet die Muskeln und Gelenke bereits ganz erheblich, so dass Bewegungen wieder durchgeführt werden können, die auf dem Trockenen aufgrund von Körpergewicht und Schmerzen fast unmöglich waren.

Weitere Beispiele für Physikalische Therapie

  • Wärme-/Kälteanwendungen (je nach Krankheitsphase)
  • Ultraschall
  • Akupunktur
  • Massagen
  • Intermittierende Extension/Stretching
  • Fußreflexzonenmassage
  • Triggerpointmassagen
  • Zentrifugalmassagen
  • Lymphdrainage
  • Inhalationen

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

[1] Quelle : Gesundheitsberichterstattung des Bundes

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