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Osteopathie – eine Chance bei Arthrose?

© jovanmandic - Fotolia.com

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Osteopathie kann sowohl Gelenkblockaden lösen als auch Fehlhaltungen korrigieren. Und deshalb könnte sie Patienten mit Arthrose helfen.

Osteopathie ist ein ganzheitliches medizinisches Verfahren mit naturwissenschaftlicher Basis. Ihre Erkenntnisse beruhen unter anderem auf anatomischem, physiologischem, pathologischem und biomechanischem Wissen. Ausgeführt wird sie mit den Händen. Osteopathen können Bewegungsstörungen erkennen und mithilfe von speziellen Techniken behandeln. Ziel der Osteopathie ist es, alle Gewebe zu behandeln, die sich mechanisch oder neurovegetativ auf den Knochen auswirken können.

 

Wie alles begann

Entwickelt wurde die Osteopathie vor über hundert Jahren in den USA. Ihr Begründer war der Arzt Andrew Taylor Still, der von 1828 bis 1917 lebte. Still erkannte, dass Menschen mit Beschwerden an Muskeln und Organen oft auch an Blockaden der Wirbelsäule litten. Und er vermutete, dass diese Blockaden Muskel- und Organbeschwerden auslösen könnten.

Still ging zunächst davon aus, dass es die Knochen waren, die ursächlich für Bewegungsprobleme des Organismus verantwortlich sind. Aus diesem Grund kam es auch zu dem leicht zweideutigen Namen Osteopathie – der sich von „Osteon“, was Knochen bedeutet und „Pathos“, was übersetzt Leiden heißt, ableitet. Da die Osteopathie so komplex ist, fällt es schwer, einen geeigneten Namen zu finden.

Später erkannte Still, dass es nicht nur die Knochen sind, die eine eingeschränkte Beweglichkeit bedingen. Sondern, dass auch Gewebe Organe, Sehnen, Muskeln und Bänder miteinander verbinden. Werden die gestörten Bereiche gezielt bewegt beziehungsweise „verrutsche“ Organe in die korrekte Lage zurückverlegt (Reponierung), können sich die Patienten möglicherweise besser bewegen und bemerken eine Verringerung ihrer Beschwerden.

Die Erkenntnisse von Still stellen auch heute noch die Basis der osteopathischen Medizin dar. Still erkannte die fundamentale Bedeutung der Bewegung für alle Strukturen im Körper. Er fand heraus, wie Struktur und Funktion voneinander abhängen und betrachtete den Organismus als untrennbare Einheit mit starken Selbstheilungskräften.

Die Harmonie der Einzelsysteme

Der Osteopath arbeitet mit den Einzelsystemen des Körpers, die sowohl in sich selbst als auch gemeinsam zusammen wirken müssen, um gut zu funktionieren. Wird das Zusammenspiel der Einzelsysteme gestört, reagiert der Körper mit einer Art „Behelfsmechanismus“. Mit diesem „Behelfsmechanismus“ versucht er beispielsweise auch ein gestörtes Arthrosegelenk zu schützen.

Wichtigstes Behandlungswerkzeug des Osteopathen sind seine Hände. Er hat gelernt, selbst die kleinsten Bewegungen im Körper mithilfe seiner Hände zu erkennen und zu deuten. Er analysiert nicht nur die Symptome, sondern auch die Ursachen der Probleme. Jede Störung wird im Rahmen der Osteopathiebehandlung in die Bewegungszusammenhänge des gesamten Körpers eingeordnet.

Die Osteopathie teilt den Organismus in verschiedene Systeme, die nur funktionieren, wenn sie gemeinsam miteinander arbeiten. Das bedeutet jedoch nicht, dass es verschiedene Osteopathien gibt. Ganz im Gegenteil: Bei der der Osteopathie geht es um das Zusammenspiel der folgenden drei Systeme:

Das parietale System – Bewegungssystem (betrifft die Arthrose)

Für Patienten mit Arthrose spielt das parietale System – der Bewegungsapparat – eine wesentliche Rolle. Kommt es im Bereich von Muskeln, Bändern, Kapseln oder der Wirbelsäule zu Störungen der Bewegung, wirkt sich dies auf den ganzen Körper aus. Das heißt, auch das Nervensystem ist betroffen und die einzelnen Nerven können nicht mehr problemlos miteinander kommunizieren. Die Folge: Die Körperstatik verändert sich, da der Körper eine Schonhaltung einnimmt. Bei der Behandlung erkennt der Osteopath die Ursachen für die Schonhaltung. Er löst Verspannungen und Verkrampfungen. Die Schonhaltung kann verlassen und die gestörte Mechanik verändert werden. Die Haltung verbessert sich, das Gelenk wird entlastet, was zu einer besseren Haltung und Durchblutung führt. Patienten mit Übergewicht können mit einer Gewichtsverringerung die Osteopathiebehandlung unterstützen.

Bei folgenden Anwendungsgebieten kann die Osteopathie mit Blick auf das Bewegungssystem eingesetzt werden: Beispielsweise bei Beschwerden der Wirbelsäule, Rückenschmerzen, Problemen mit den Bandscheiben, Gelenkbeschwerden, Arthrose sowie Knie- und Fußbeschwerden.

Das viszerale System – Organsystem

Im Körper sind alle Organe und Muskeln durch Bindegewebe miteinander verbunden. Entstehen an einem Organ Veränderungen – beispielsweise durch Stauungen oder Narben – erhöht sich die Spannung des Bindegewebes und es kann zu funktionellen Störungen des Organs kommen. Der Osteopath behandelt nicht das Organ an sich, sondern das gestörte Bindegewebe. Veränderungen des viszeralen Systems machen sich unter anderem als Verdauungsstörungen, Verwachsungen nach Operationen, Inkontinenz, Menstruationsstörungen oder Prostatabeschwerden bemerkbar.

Das kraniosakrale System – Bewegung der Schädelknochen

Beim kraniosakralen System steht der Schädel mit seinen Knochen im Vordergrund. Die Schädelknochen sind via Hirnhäute und Rückenmarkshaut mit dem Kreuzbein verbunden. Verspannt sich beispielsweise der Nacken, kann dies zu einer Durchblutungsstörung im Schädel- und Hirnbereich führen. Als Folge können chronische Entzündungen der Stirn- und Nasennebenhöhlen, Tinnitus, chronische Mittelohrentzündungen oder Zahnfehlstellungen entstehen.

Grundlegende Aufgabe der Osteopathie ist es, die Harmonie im Gesamtorganismus wieder herzustellen. Auf diese Weise wird der Organismus in die Lage versetzt, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Die Beschwerden der Patienten bessern sich.

Die Vorreiterolle der Osteopathie hat Amerika. In den USA arbeiten ungefähr 54.000 Osteopathen. Osteopath ist in den USA ein eigenständiger Beruf. Osteopathen führen den Titel D. O. Doctor of Osteopathy. Sie sind den Ärzten, den Medical Doctors, MD, gleichgestellt. In Deutschland gibt es die Möglichkeit, als Arzt, Heilpraktiker oder Physiotherapeut eine 5-jährige osteopathische Aus- oder Weiterbildung zu absolvieren.

Weitere Informationen und eine Therapeutenliste finden Sie beispielsweise beim Verband der Osteopathen Deutschland e.V.

Autor: Birgit Klötzer, M.A., wissenschaftliche Redakteurin

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