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Nehmen Sie Ihre Schmerzmittel wie verordnet ein?

Viele Arthrose-Patienten nehmen ihre Schmerzmittel bewusst nicht richtig ein

© Ingo Bartussek

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Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge nehmen viele Patienten mit chronischen Schmerzen ihre vom Arzt verordneten Medikamente nicht richtig ein. Jeder Zweite hält sich nicht an das vorgegebene Einnahmeschema. Einer der Gründe für die mangelnde Therapietreue ist Vergesslichkeit. Neben diesem Aspekt ist noch ein anderer Punkt für die nicht planmäßige Einnahme von Medikamenten verantwortlich: Die bewusste Abweichung vom verordneten Therapieplan. Insbesondere Arthrose-Patienten gehören zu dieser Gruppe der ‚bewussten Therapieabweichler‘. Und dies, obwohl sie oft unter starken Schmerzen leiden.

Der Therapieerfolg von Schmerzmitteln bei Arthrose-Patienten ist stark davon abhängig, welche Schmerzmittel in welcher Dosierung eingenommen wurden. Patienten, die trotz Schmerzmittel weiterhin an Arthrose-Schmerzen leiden, erhalten entweder nicht die richtige Therapie oder nehmen ihre Medikamente falsch ein.

Ältere Frauen halten sich eher an Empfehlungen des Arztes

In Studien wurde untersucht, ob Arthrose-Patienten ihre Medikamente nach den Empfehlungen des Arztes einnehmen. Das Ergebnis offenbart einen Geschlechtereffekt. So nehmen ältere Frauen, die ihren Gesundheitszustand gut erfassen können und denen entsprechendes Wissen über die Therapie vermittelt wurde, Medikamente zuverlässig ein. Schlecht auf die Therapietreue wirken sich zunehmende Begleiterkrankungen der Arthrose, komplizierte Einnahmeschemata mit häufigen und hohen Dosen aus. Auch die Angst, abhängig zu werden, kann dazu führen, dass Medikamente nicht wie mit dem Arzt vereinbart, eingenommen werden.

Bereits in einer australischen Studie von Sale und Kollegen (2006) wurde festgestellt, dass Arthrose-Patienten, obwohl sie unter starken Schmerzen litten, ihre Schmerzmittel in geringer Dosierung in größeren Zeitabständen als vereinbart, einnahmen. Auffällig war, dass die Patienten andere verordnete Arzneimittel gegen weitere chronische Erkrankungen vorschriftsmäßig einnahmen.

Einer der Gründe für die schlechte Therapietreue lag in der Aufbewahrungstechnik der Patienten. Sie bewahrten ihre Schmerzmittel nicht wie die anderen Arzneimittel für den Langzeitgebrauch in Dispensern auf. Das heißt, sie handhabten ihre Schmerzmittel so, als wären sie ein Medikament für den kurzeitigen akuten Einsatz. Etliche Patienten berichteten, dass sie ihre Schmerzmittel rationieren – besonders dann, wenn der Packungsinhalt zu Ende geht. Interessant war – die Patienten rationierten lediglich ihre Schmerzmittel, nicht jedoch die anderen Medikamente.

Schmerzen werden als Zeichen der Schwäche angesehen

Die Wissenschaftler machten zwei wesentliche Gründe für das Verhalten der Patienten aus. Zum einen erklärten die durch ihre Erkrankung deutlich beeinträchtigten Patienten beispielsweise, ihre Schmerzen als nicht so stark wahrzunehmen. Oder aber sie verglichen ihren Gesundheitszustand mit dem anderer Patienten und kamen dabei zu dem Schluss, dass es ihnen noch verhältnismäßig gut gehe.

Viele Patienten betrachteten Schmerzen als Teil des Lebens, der auszuhalten wäre. Andere sahen in der Einnahme von Schmerzmitteln ein Zeichen von Schwäche. Oder sie machten den Fehler, nur dann das Medikament einzunehmen, wenn ihre Schmerzen sehr stark waren. Sie betrachteten die Schmerzmittel also nicht als Bestandteil ihrer Langezeitbehandlung. Patienten sahen zudem davon ab, entsprechende Mittel vor Aktivitäten einzunehmen, die vermutlich zu Schmerzen führen würden – auch wenn sie diese Möglichkeit mit dem Arzt abgesprochen hatten. Die Patienten zogen es sogar vor, sich zu schonen und schmerzverursachende Tätigkeiten zu vermeiden. Dass sie durch dieses Verhalten ihr Sozialleben und ihre körperliche Beweglichkeit einschränken, nahmen sie dabei in Kauf.

Schmerzsymptomatik der Arthrose wird nicht als bedrohlich eingestuft

Die meisten der befragten Patienten nahmen nicht gerne Arzneimittel ein. Sie sahen es als unschädlich an, die verordnete Schmerzmitteldosis nach eigenem Ermessen zu verringern. Sie gingen davon aus, dass nur eine zu hohe Dosis ein Problem darstellen würde. Fast alle befragten Patienten nahmen zusätzlich Vitamine oder ein pflanzliches Arzneimittel ein. Dass Patienten Dosis und Einnahmehäufigkeit des Schmerzmittels herabsetzten, weist darauf hin, dass Patienten eine Arthrose im Gegensatz zu anderen Erkrankungen nicht als lebensbedrohlich einstufen. Die Angst vor Nebenwirkungen hat ebenfalls Auswirkungen auf die Art und Weise der Medikamenteneinnahme. Viele Patienten fürchten, sich an ‚starke‘ Schmerzmittel zu gewöhnen oder abhängig zu werden, wenn die Einnahme über einen längeren Zeitraum erfolgt. Offen ausgesprochen wird diese Befürchtung in der Regel nicht. So erklärten einige Patienten, ihr Schmerzmittel lindere die Beschwerden unzureichend. Diese Wirkungseinschränkung überrascht allerdings nicht, wenn man bedenkt, dass die Patienten eine nicht ausreichende Dosis einnahmen.

Fazit: Arthrose-Patienten wird geraten, sich bei der Einnahme von Schmerzmitteln an die Vorgaben des Arztes zu halten – sowohl hinsichtlich der Dosierung als auch des Einnahmezeitpunktes. Denn nur so kann eine wirksame Schmerztherapie auf Dauer gewährleistet werden. Durch die Schmerztherapie wird dem Patienten die Möglichkeit eingeräumt, weiter mobil zu bleiben und dadurch präventiv auf seine Arthrose einzuwirken. Es wird angenommen, dass während eines akutes Schmerzschubes die Arthrose und somit die Zerstörung des Knorpels besonders aktiv sind (Ergussbildung, vermehrte Anhäufung von Enzymen im Gelenk, die den Knorpel zerstören könnten).

Quelle: Dr. Verena Stahl, Bewusst untertherapiert. Warum Arthrose-Patienten ihre Schmerzmittel nicht nehmen, Deutsche Apotheker Zeitung, 154. Jahrgang Nr. 15

WHO. Adherence to long-term therapies: evidence for action.20013
http://www.who.int/chp/knowledge/publications/adherence_report/en/
Sale JME et al., Arthritis & Rheumatism (Arthritis Care & Research). 2006; 55(2):272-278

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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