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Können entzündungshemmende Medikamente mehr als nur Arthroseschmerzen lindern?

entzündungshemmende Mittel

© freshidea Fotolia

Es wird vermutet, dass eine chronische Entzündung die häufigste Ursache für Alterskrankheiten darstellt und somit auch für das Altern selbst verantwortlich ist. Dies liegt daran, dass entzündetes Gewebe große Mengen an freien Radikalen produziert, die DNA-Schäden verursachen. Ständige Entzündungen verringern die Fähigkeit der Zellen, sich selbst zu reparieren, was zu Krankheiten oder sogar Krebs führen kann.

Chronische Entzündungen sind fast an allen Krankheiten im Alter beteiligt: Arthritis, Alzheimer, Diabetes, Herzkrankheiten, Autoimmunkrankheiten und Krebs.

Entzündungen gehen mit dem Alterungsprozess einher

Der Begriff „Inflammaging“ (Entzündungsaltern) wurde von dem italienischen Immunologen C. Franceschi geprägt. Er beschreibt damit, dass der Alterungsprozess mit einer erhöhten Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe einhergeht. Das Entzündungsaltern fördert chronische Entzündungen und führt zu einer verringerten Körperabwehr. Auf diese Weise entstehen Krankheiten, und der Alterungsprozess wird vorangetrieben.

Könnten diese Erkenntnisse bedeuten, dass die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten eine gesundheitsfördernde Wirkung und somit auch einen „Antiaging“-Effekt haben kann? Es ist bekannt, dass entzündungshemmende Medikamente, die zum Beispiel bei Arthritis eingenommen werden, das Risiko für eine Alzheimererkrankung reduzieren. Weiterhin ist bekannt, dass die Gene, die den Verlauf von Alzheimer kontrollieren auch für die Entzündungsphänomene im Körper verantwortlich sind. Inwieweit Alzheimer oder sogar Depressionen mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden können, ist bisher noch nicht wissenschaftlich belegt. Eine Problematik könnte sein, den richtigen Zeitpunkt für eine solche Behandlung zu finden, da man davon ausgeht, dass eine solche Therapie nur im Anfangsstadium wirksam sein wird.

Eine weitere Studie bei älteren Menschen zeigte, dass Testpersonen, die ein entzündungshemmendes Mittel einnahmen, in einem bestimmten Zeitraum durch Training mehr Muskelmasse bildeten als Probanden einer Kontrollgruppe, die keine Mittel einnahmen.

In einer weiteren Studie wurde festgestellt, dass die Lebenserwartung von Hefezellen, Würmern und Obstfliegen um mehr als 10 Prozent verlängert wurde, wenn diesen Lebewesen Ibuprofen zugeführt wurde. Allerdings leiden Hefezellen und Würmer nicht unter Entzündungen, so dass auch andere Mechanismen bei der Wirkung von Ibuprofen eine Rolle spielen könnten.

Mit dem momentanen Wissensstand kann zum jetzigen Zeitpunkt auf keinen Fall eine Empfehlung für die Einnahme von entzündungshemmenden Mitteln zur Vermeidung von Krankheiten im Alter gegeben werden. Auf Grund der bekannten Nebenwirkungen auf Magenschleimhaut, Herz, Leber und Nieren sowie den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollte man keine entzündungshemmenden Medikamente vorbeugend einnehmen!

Wie könnten wir das Risiko einer chronischen Entzündung minimieren?

Verringern Sie Ihre Exposition gegenüber Toxinen wie Rauchen, chemische Lebensmittelzusatzstoffe und toxischen Substanzen (zum Beispiel Reinigungsmittel).

Konsumieren Sie die richtigen Lebensmittel: Frisches Obst und Gemüse, grüner Tee und Knoblauch sind reich an Antioxidantien. Reduzieren Sie tierische Fette. Vermeiden Sie gebratene Lebensmittel. Reduzieren Sie Weizen, Gluten und Zucker.

Verringern Sie den Alkoholkonsum.

Ergänzen Sie Ihre Ernährung mit gesunden Fetten (Omega 3) zum Beispiel von Fischen und Leinsamen (3.000 mg pro Tag). Der Konsum von Substanzen wie Cucurmin und Ingwer sowie von vielen anderen Substanzen wird empfohlen. Wobei für viele Substanzen noch kein eindeutiger wissenschaftlicher Beleg für eine präventive Wirkung vorliegt.

Mann könnte eventuell auch erwägen, Hormone zu ersetzen, wenn die Werte stark sinken.

Reduzieren Sie Ihren Stress und schlafen Sie ausreichend. Bewegen Sie sich und bleiben Sie sportlich aktiv. Denn Bewegung stimuliert auch im Alter die Abwehrkräfte. Dann brauchen Sie vielleicht keine entzündungshemmende Mittel.

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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