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Hüftprothesenoperation bei Vollmond?

© David Acosta Allely

© David Acosta Allely

Mondkalender bieten Empfehlungen für viele Tätigkeiten des Lebens an, von Haareschneiden bis Rasenmähen. Krankenhausärzte berichten, dass die Notfalldienste bei Vollmond arbeitsintensiver sind, dass psychiatrische Patienten je nach Mondphase anders reagieren. Auch soll der Mond einen Einfluss auf die Geburten haben.

Das führt soweit, dass sogar Empfehlungen gegeben werden, welche Mondphasen für bestimmte Operationen angebracht sind und welche Eingriffe vorgenommen werden sollten. So wird beispielsweise zwischen Eingriffen, bei denen implantiert wird (Prothesen) und Eingriffen, bei denen Gewebe entfernt wird (Tumor), unterschieden. Dabei soll es idealerweise darum gehen, Komplikationen während und nach der Operation zu vermeiden. In Deutschland glauben etwa zehn Prozent der Bevölkerung an den Einfluss des Mondes auf Krankheiten und deren Behandlung. Eine klassische These ist zum Beispiel, dass die Warzenbehandlung immer bei abnehmendem Mond zu erfolgen hat.

Diese Tatsache hat bereits zur Folge, dass in Krankenhäusern Patienten zunehmend ihre Operationstermine nach dem Mondkalender richten, teilweise auch kurzfristig und somit die Planung der Chirurgen durcheinander wirbeln.

Es gibt jedoch viele Studien, die belegen können, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Mondphase und dem Operationsergebnis gibt. Eine größere Studie von 1998 konnte keinen Einfluss der Mondphase auf das Operationsergebnis bei fast 15.000 Patienten zeigen.[1] Eine Studie über Brustkrebsoperationen bei 3.757 Frauen kam zu dem gleichen Ergebnis.[2] In einer weiteren Studie wurden 305 Patienten, die eine Hüftprothese implantiert bekamen, was den Zeitpunkt der Operation angeht, in vier Gruppen eingeteilt: Vollmond, abnehmender Mond, Neumond und zunehmender Mond. Es wurden bei diesen vier Gruppen ebenfalls keine Unterschiede hinsichtlich Anzahl und Art der Komplikationen festgestellt.[3]

Eine zuletzt durchgeführte Studie bei 12.224 Patienten an zehn Krankenhäusern aus neun europäischen Ländern hat die postoperative Schmerzangabe untersucht, die Daten der vier Mondphasen verglichen und dabei auch keinen Unterschied festgestellt. Somit könnten geplante Operationen auf jeden beliebigen Tag festgelegt werden.

Auch wenn der Einfluss des Mondes nicht bewiesen werden kann, sollten die Ängste der Patienten ernst genommen werden. Eine mögliche negative Beeinflussung des Operationsergebnisses durch eine weitere Verunsicherung des Patienten sollte vermieden werden.

Quellen: [1] Smolle J et al. Arch Dermatol. 1998;134:1368–70.
[2] Peters-Engl C et al. Breast Cancer Res Treat. 2001;70:131–5.
[3] Ficklscherer A. Arch Med Sci. Feb 29, 2012; 8(1): 111–114.

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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