Anzeige

Arthrose: Mit Feldenkrais Körper und Geist bewegen

Feldenkrais

© wildworx – Fotolia

Es ist nicht einfach in Worten zu beschreiben, was die Bewegungslehre Feldenkrais eigentlich ist. Eine Erklärung könnte lauten: Feldenkrais hilft Menschen dabei, ihr Selbstbild zu ändern und auf diese Weise ihre Entfaltungsmöglichkeiten zu erweitern. Dies gilt auch für Patienten mit Arthrose. Sie können durch Feldenkrais beweglicher werden und Schmerzen verringern.

Der Begründer der Bewegungstherapie Moshé Feldenkrais war eigentlich Physiker und Judolehrer. Nachdem er 1940 nach England emigriert war, fing er an, sich mit Neuropsychologie zu beschäftigen. Schließlich eröffnete Feldenkrais im neu gegründeten Staat Israel ein eigenes Institut für die nach ihm benannte spezielle Bewegungslehre. Der Begründer der Bewegungslehre, der 1904 in der Ukraine auf die Welt kam und 1984 in Tel Aviv starb, entwickelte die Übungen über einen Zeitraum von insgesamt 10 Jahren. Motiviert haben ihn intensiver Forschungsdrang, die Begeisterung für „Dinge, die mit dem Leben zu tun haben“ und die erfolgreiche Eigenbehandlung seiner schweren Knieverletzungen.

„Wer keine Fehler macht, kann auch nicht lernen“

Seine Grundannahme ist, dass Menschen ihre Handlungen nach dem inneren Bild ausrichten, das sie selbst von sich haben. Dieses Bild setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen. Es ist zum Teil ererbt, zum Teil über Erziehung durch andere Menschen vermittelt und zu einem dritten Teil über Selbsterziehung entstanden.

Der wesentliche Kern dieser Therapie ist die sogenannte „organische“ Lernfähigkeit des Menschen. Konkret nach Moshé Feldenkrais heißt das, Kinder lernen vor allem durch Berührung und Bewegung. Berührung und Bewegung sind die zentralen Elemente der Feldenkrais-Methode. Es geht darum, die Bereiche Sinnesempfindung, Gefühl und Denken mittels Bewegung zu verändern. Auf diese Weise wird Entwicklung möglich. Das Kind bildet durch die Wiederholung der erfolgreichsten Bewegungen Handlungsmuster aus, die im ZNS (Zentrales Nervensystem) verarbeitet werden. Die Folge: Die Handlungsmuster sind leichter umsetzbar. Moshé Feldenkrais ging davon aus, dass Bewusstheit durch Bewegung entsteht. Er war überzeugt, dass der menschliche Bewegungsapparat viel mehr kann, als angenommen. Ausgehend von diesen Gedanken bedeutet Bewegung auch, ein anderes Bild von sich zu gewinnen.

Hier knüpft die beschriebene Bewegungslehre an neuro- und sozialpsychologische Konzepte an. Man weiß, dass soziale Kompetenz von Erwachsenen mit der Reife des Bewegungssystems zusammenhängt. Die Körperhaltung von Erwachsenen drückt aus, wie er als Baby angeregt wurde, wie er sich bewegte beziehungsweise welche Bewegungsmöglichkeiten ihm angeboten wurden. Beispielsweise hat ein Kleinkind, das auf einer Decke krabbeln kann, mehr Bewegungs- und damit mehr Wahrnehmungsmöglichkeiten als ein in der Babywippe „gesichertes“ Kind.

Um Veränderungen herbeizuführen, entwickelte Feldenkrais eine Lehrmethode, die auf zwei verschiedenen Wegen vermittelt werden kann: verbal und non-verbal. Er entwarf über 1.000 Lerneinheiten, die durch Worte einer einzelnen Person oder einer Gruppe vermittelt werden können. Diese Lektionen sind keine Übungen, sondern es handelt sich vielmehr um Bewegungsanleitungen, welche die Feldenkrais-Schüler ausprobieren können. Die nicht-verbalen Bewegungsanleitungen richten sich im Rahmen von Einzelsitzungen an die jeweiligen Bedürfnisse des Schülers.

Die Eigenwahrnehmung verfeinern

Die Fähigkeit, sich durch Lernen an neue Bedingungen anzupassen, kann im Laufe des Lebens nachlassen – insbesondere nach Verletzungen und Traumata. Die grundsätzliche Lernfähigkeit des Gehirns bleibt allerdings das ganze Leben lang erhalten.

Das nachlassende beziehungsweise gestörte Lernvermögen des Gehirns kann mit Feldenkrais wieder angeregt werden. Die Methode eröffnet die Möglichkeit, sich selbst besser zu regulieren und mit Belastungen besser umzugehen. Durch Feldenkrais können die Eigenwahrnehmung optimiert und Schmerzen verringert werden. Feldenkrais kann verborgene Ressourcen aktivieren und Gesundheitsproblemen entgegenwirken.

Es gibt auch einige Wissenschaftszweige, wie die Psychoneuroimmunologie oder die Sportwissenschaft, die sich mit der wechselseitigen Beziehung von Gedanken, Emotionen und körperlichen Wahrnehmungen befassen. Man weiß, dass beispielsweise chronischer Stress auf Dauer das Immunsystem schädigen kann. Und es gibt Hinweise darauf, dass man diesem Stress entgegenwirken kann.

Weniger Schmerzen bei Arthrose

Die Bewegungslehre kann konkret bei Arthrose helfen, die Schonhaltung zu verändern. Viele Patienten nehmen eine Schonhaltung ein, um ihre Schmerzen besser aushalten können. Durch die Bewegungslehre kann die ungünstige Haltung durch eine günstige abgelöst werden. Feldenkrais bietet die Möglichkeit, den Schmerz weniger stark wahrzunehmen. Schmerzen verringern sich oft, wenn man sich einer anderen Sache zuwendet. Der Grund: Schmerz, wie auch der Arthroseschmerz, ist ein vielschichtiges neurologisches Ereignis. Neben den Schmerzrezeptoren am arthrotischen Gelenk sind auch bestimmte Bereiche des Gehirns beteiligt. Werden diese Bereiche durch Feldenkrais abgelenkt, kann dies schon eine Schmerzlinderung bewirken. Feldenkrais führt eventuell auch zu positiven, überraschenden Empfindungen, die der Körper von innen heraus produziert. Feldenkrais ist eine Bewegungstherapie die Geist und Seele bewegt.

Patienten mit Arthrose können sich beispielsweise an den FVD Feldenkrais-Verband Deutschland e.V. wenden.

 

Autor: Birgit Klötzer, M.A., wissenschaftliche Redakteurin

Diesen Beitrag drucken
Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlen

Teilen Sie diesen Beitrag