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Sind unterschiedliche Schmerzempfindungen bei Kniearthrose möglich?

Kniegelenkarthrose

© underdogstudios – Fotolia

Es scheint, dass die Entzündung eines Kniegelenks, die mit einer Schleimhautreizung und einem Erguss einhergeht, die Schmerzempfindung bei Kniearthrose steigert. Diese These wurde letztes Jahr beim Jahreskongress des American College of Rheumatology in Boston vorgestellt.

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung beim älteren Menschen. Sie entsteht durch eine progressive Abnutzung des Gelenkknorpels. Im Krankheitsverlauf verändern sich aber auch die gelenkumgreifenden Strukturen, mit Schwellungen, Ergüssen. Es kommt zu Veränderungen der Muskeln und der Bänder sowie zu Knochenanbauten. Man weiß, dass der Schmerz, den der Patient bei Kniearthrose verspürt, oft nicht mit dem Stadium der Arthrose korreliert, das auf dem Röntgenbild erkennbar ist: Patienten mit schwerster Kniearthrose verspüren manchmal keine Schmerzen und nur leichte funktionelle Einbußen, während Patienten mit röntgenologisch kaum nachweisbarem Befund starke Beschwerden haben.

Gibt es Faktoren, die die Schmerzempfindung bei Kniearthrose steigern?

In manchen Fällen kann man von Sensibilisierung sprechen. Sie entsteht durch eine Veränderung des Nervensystems. Das Ergebnis ist eine erhöhte Schmerzempfindung, die eine wichtige Rolle bei Kniearthroseschmerzen spielt. Da bereits bekannt ist, dass eine Entzündung oder eine Gewebeverletzung zu einer Sensibilisierung führen kann, haben Forscher untersucht, ob das gleiche Phänomen bei der Kniearthrose auftritt. Dabei wurde untersucht, ob entzündungsbedingte Veränderungen wie eine Synovialitis (Schleimhautentzündung) und ein Gelenkerguss, oder eher eine mechanische Belastung oder Knochenmarkveränderungen die Schmerzempfindung verändern können.

Die Wirkung dieser Faktoren wurden an 1.111 Kandidaten untersucht, die entweder bereits unter einer Kniearthrose litten oder zumindest ein erhöhtes Risiko trugen, eine Arthrose zu entwickeln. Nach einer ersten Untersuchung wurden die Kandidaten zwei Jahre später ein zweites Mal untersucht. Bei diesen Untersuchungen wurde die Schmerzempfindung mit zwei verschiedenen somatosensorischen Evaluationsmethoden gemessen. Außerdem wurden eine Röntgenkontrolle und eine kernspintomographische Untersuchung durchgeführt.

Sowohl eine Schleimhautentzündung als auch ein Erguss führten zu einer signifikanten Erhöhung der Schmerzempfindung und somit zu einer Sensibilisierung. Belastung und Knochenmarkveränderungen führten nicht zu diesem Effekt.

Somit konnte zum ersten Mal nachgewiesen werden, dass die Entzündung eines Kniegelenkes bei Arthrose zu einer nachweisbaren Erhöhung der Schmerzempfindlichkeit (Sensibilisierung) führt. Die frühe Diagnose könnte zukünftig wichtig sein, um diese Wirkung durch eine gezielte Behandlung zu vermeiden.

Quelle:

Neogi T, Guermazi A, Roemer F, Nevitt MC, Scholz J, Arendt-Nielsen L, Woolf C, Niu J, Bradley LA, Quinn E, Frey Law L: „Association of Joint Inflammation With Pain Sensitization in Knee Osteoarthritis: The Multicenter Osteoarthritis Study.Arthritis Rheumatol.“, 2016 Mar;68(3):654-61. doi: 10.1002/art.39488.

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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