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Iliosakralgelenkbeschwerden, was tun?

Illiosakralgelenk_vorneDie Iliosacralgelenke stellen auf beiden Seiten des Kreuzbeines (Os sacrum) die Verbindung mit den Darmbeinen (Os ileum) dar. Es handelt sich um ein großes Gelenk, das jedoch nur einen sehr kleinen Gelenkraum hat Seine Beweglichkeit ist sehr eingeschränkt und findet nur in der Transversalebene in Form von Kippbewegungen statt. Ein ausgeprägter Bandapparat stabilisiert dieses Gelenk, das schließlich die gesamte Last zwischen Oberkörper und Beinen überträgt. Eine steife Lendenwirbelsäule oder eine steife Hüfte verstärken die Belastung des Iliosakralgelenkes.

Symptome

Am Anfang meldet sich das Illiosacralgelenk durch unspezifische Schmerzen, Sie strahlen oft im unteren Lendenbereich. Spezifischer sind die Schmerzen in der Gesäßregion, sie können auch in den Oberschenkel ausstrahlen, manchmal bis in die Wade. Sie verstärken sich beim Gehen auf unebenen Boden, Treppensteigen, beim nach vorne Neigen und längerem Sitzen. Die Ursache wird oft verkannt, da zunächst an die Hüfte oder die Lendenwirbelsäule gedacht wird.

Diagnose

Die Diagnose kann in den meisten Fällen mit spezifischen Tests gestellt werden (Vorlaufphänomen, Spinetest, Maigne-Test). Bei diesen Tests wird entweder eine Blockade des Gelenkes festgestellt oder ein Schmerz ausgelöst bei dessen Mobilisierung).

In manchen Fällen können Röntgen (Arthrose) und Kernspintomographie (entzündliche Arthritis) zur Diagnose beitragen.

Ursachen von Iliosakralgelenkbeschwerden

Die Ursachen können grundsätzlich in drei Gruppen eingeteilt werden:

  • Die Blockade: Das Kreuzdarmbeingelenk „klemmt“. Dies kann durch einen Sturz auf das Gesäß ausgelöst werden. Auch können hormonelle Veränderungen – wie eine Schwangerschaft, die die gelenkumgreifenden Bänder lockert – eine Blockade auslösen. Die Blockade kann auch , durch Sport oder eine Fehlbelastung (langes Sitzen, steife Wirbelsäule, steife Hüften) ausgelöst werden. Die Blockade kann aber auch durch eine akute Verschiebung bei Überbeweglichkeit (Hypermobilität).
  • Die Arthrose: Das Gelenk verformt sich durch Knochenanbauten und kann sich dadurch chronisch entzünden, was sehr schmerzhaft ist. .
  • Die rheumatische Arthritis: Sie tritt deutlich seltener auf, kann aber das erste Zeichen einer rheumatischen Erkrankung sein (beispielsweise Bechterew Krankheit).

Behandlung

Die physiotherapeutische Behandlung hat einen großen Stellenwert, besonders wenn eine Blockade diagnostiziert wurde. Sie kann aus einer Manipulation bestehen, wobei das Gelenk eingerenkt wird. Der nächste Schritt sind Manipulationen, hierbei wird das Gelenk wird über mehrere Sitzungen manipuliert, um das Gelenkspiel zu normalisieren und eventuell auch die Beweglichkeit der angrenzenden Gelenke (Hüfte, Wirbelsäule) zu verbessern.

Bei stärkeren Beschwerden können zusätzlich entzündungshemmende Medikamente eingenommen oder Kortisoninfiltrationen direkt ins Gelenk gespritzt werden. Die Spritzen können zunächst mit lokalem Betäubungsmittel unter Röntgendurchleuchtung erfolgen. Wird dadurch eine vorübergehende Beschwerdefreiheit erreicht, kann dann auch mit Kortison infiltriert werden.

Die rheumatischen Ursachen werden behandelt, indem man die rheumatische Grundkrankheit mit einer Basistherapie behandelt.

Eine Möglichkeit der Basistherapie stellt die Prolotherapie dar. Sie ist eine Behandlungsform bei chronischen Beschwerden aufgrund von Instabilität des Gelenkes. Diese Therapieform ist noch umstritten, da keine eindeutigen wissenschaftlichen Studien vorliegen. Bei der Prolotherapie werden in mehreren Sitzungen hochprozentige Zuckerlösungen an den Bandapparat des Kreuzdarmbeingelenkes gespritzt, um eine Wucherung und Sklerosierung dieser Bänder und somit eine Stabilisierung des Gelenkes zu erreichen.

Ein weiteres Verfahren ist die Denervierung der Schmerznerven, die den Schmerzreiz übermitteln. Dafür kann eine spezielle Sonde (eventuell wassergekühlt) verwendet werden. Mit dieser sogenannten Thermokoagulationssonde werden die Nerven mit circa 60° behandelt, so dass sie ihre Leitfähigkeit verlieren. Das Verfahren wird unter örtlicher Betäubung und Röntgendurchleuchtung durchgeführt.

Eine letzte, auch selten eingesetzte Möglichkeit, ist eine Operation. Bei der Operation wird das Gelenk versteift. Mehrere Verfahren sind möglich wie Schrauben und Platten. Neue Verfahren mit speziellen Dübeln können zum Teil minimalinvasiv durchgeführt werden.

In den leichten Formen kann die Besserung oft spontan eintreten. Wichtig ist eine Bewegungstherapie, die eine Mobilisierung des Gelenkes bewirkt. Bei der schweren Form ist es oft schwierig, eine langanhaltende Besserung zu erreichen.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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