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Halswirbelsäule und Arthrose

© Lars Zahner - Fotolia.com

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Arthrose an der Halswirbelsäule, medizinisch cervicale Spondylarthrose, entsteht durch eine chronische Degeneration (Abnutzung) der Halswirbel und damit auch der Bandscheiben. Die Abnutzungen befinden sich zunächst, wie es auch im Bereich z.B. der Knie- und Hüftgelenke der Fall ist, im Bereich der Halswirbelgelenke. Es kommt zu einem Verschleiß der Knorpelflächen der Gelenke, dann entstehen Knochenanbauten, die schmerzhafte Nerveneinklemmungen verursachen können. In einem weiteren Stadium verschmälern sich die Bandscheiben zwischen den Wirbeln, können auch teilweise verknöchern oder sich vorwölben und damit zusätzliche Nervenkompressionen verursachen. Die Arthrose beginnt oft bereits ab dem 40. Lebensjahr, trifft Männer und Frauen, und verschlimmert sich mit dem Alter.

Ursachen

Die Ursache kann eine vorausgegangene Verletzung gewesen sein, die zu einer Instabilität geführt hat und im weiteren Verlauf durch eine chronische Fehlbelastung den Verschleiß fördert. Dies ist jedoch selten der Fall. In den meisten Fällen handelt es sich einfach um einen altersbedingten Verschleiß. 70 Prozent der Frauen und 85 Prozent der Männer haben ab dem Alter von 60 Jahren röntgenologisch nachweisbare Verschleißerscheinungen an der Halswirbelsäule, die jedoch nicht unbedingt zu Symptomen führen müssen.

Die Arthrose der Wirbelgelenke führt zunächst zu schmerzhaften Entzündungen dieser Gelenke mit reaktiven Verspannungen der Nackenmuskulatur und einer reduzierten Beweglichkeit. In einem weiteren Stadium versteift die Halswirbelsäule langsam. Durch eine knöcherne oder bandscheibenbedingte Kompression der Nervenwurzeln (der Bereich, wo die Nerven aus dem Rückenmark austreten) kann es zusätzlich zu Nackenschmerzen, auch zu ausstrahlenden Schmerzen, bis hin zu Gefühlsstörungen und Lähmungen im Arm, kommen.

Symptome und Diagnose

Die Diagnose kann zunächst durch die vom Patienten geschilderten Beschwerden vermutet werden. Der Patient beschreibt eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule, manchmal verbunden mit einer Neigung zu Kopfschmerzen. Gelegentlich besteht bereits ein Schwächegefühl im Arm oder Gefühlsstörungen im Bereich der Finger.

Die Untersuchung bestätigt die Bewegungseinschränkung. Die Wirbelgelenke sind druckempfindlich und lassen sich manchmal verdickt tasten. Eine neurologische Untersuchung der Arme und Hände kann auf eine Muskelschwäche und Gefühlsstörungen hinweisen. Aufgrund der Symptome und des Untersuchungsbefundes kann die genaue Lokalisation der Arthrose an der Halswirbelsäule bereits oft ermittelt werden. Bei ausgeprägten oder therapieresistenten Beschwerden können auch bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen oder eine kernspintomographische Untersuchung eingesetzt werden.

Die Therapie ist zunächst konservativ

Im Anfangsstadium ist die Therapie konservativ. Eine vorübergehende Schonung ist vor allem bei bereits eingetretenen Nervenwurzelreizsymptomen sinnvoll. Dies kann beispielsweise vorübergehend mit einer Halsorthese erfolgen. In dieser Phase können auch Medikamente wie Schmerzmittel, nichtsteroidale Antirheumatika und Muskelrelaxantien eingesetzt werden. Eine manuelle Therapie in Kombination mit sanften Traktionen, Massagen und selbstständig durchgeführten Übungen kann die Beschwerden auch lindern.

Bei weiteren Beschwerden sind Kortisoninfiltrationen, sowohl an den Wirbelgelenken wie auch an den Nervenaustrittsstellen, möglich. In manchen Fällen, vor allem bei chronischen Schmerzen, können auch sogenannte Facettendenervationen durchgeführt werden. Dabei werden unter röntgen- oder computertomographischer Kontrolle die für die Schmerzempfindung der Wirbelgelenke verantwortlichen Nerven mittels einer kleinen Sonde und Radiofrequenzstrom verödet. Die schmerzlindernde Wirkung kann bei dieser Behandlung länger anhalten.

In schweren, hartnäckigen Fällen, oder wenn ausgeprägte neurologische Defizite vorliegen, kann ein operativer Eingriff die Lösung sein. Dabei wird zunächst das Gewebe entfernt, das auf die Nerven (Nervenwurzel und/oder Rückenmark) drückt. Es kann sich dabei um Knochen, Bandscheibenmaterial oder Narbengewebe handeln. In vielen Fällen wird dann in der gleichen Sitzung eine Versteifung des betroffenen Bewegungssegmentes durchgeführt. In den meisten Fällen wird dabei eine Verblockung durch einen sogenannten Cage durchgeführt. Es handelt sich dabei um einen etwa würfelzuckergroßen Block aus Metall oder Kunstoff, der nach Entfernen der Bandscheibe in den Zwischenwirbelraum eingeführt wird. In manchen Fällen kann eine Bandscheibenprothese eingesetzt werden, manchmal, vor allem aber bei mehretagigen Befunden, wird zusätzlich eine Verplattung durchgeführt. Diese Eingriffe werden ausschließlich von vorne durchgeführt. Operationen sind auch von hinten (dorsal) möglich, haben aber spezifische, eher seltene Indikationen.

Insgesamt lohnt es sich, rechtzeitig bei Beschwerden einen Orthopäden aufzusuchen. Im Frühstadium kann die Behandlung schneller zu einem Erfolg führen. Auch kann man dann eventuell Verhaltensregeln lernen, die ein rasches Fortschreiten der Abnutzung verhindern.

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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