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Steißbeinschmerzen – manchmal schwer zu therapieren?

SteißbeinDas Steißbein (Coccyx) ist der unterste Abschnitt der Wirbelsäule und folgt dem Kreuzbein. Die Verbindung zum Kreuzbein ist mehr oder weniger beweglich und hat die Form einer rudimentären Bandscheibe. Die 2 bis 5 Knochensegmente, die das Steißbein bilden, sind meistens fest miteinander verbunden und bilden einen dreieckigen Knochen. Sie sind eigentlich ein Überbleibsel des Schwanzes beim Tier.

Beim Gehen oder Stehen bewegt sich das Steißbein nicht. Beim Sitzen konnte durch Röntgenaufnahmen festgestellt werden, dass das Steißbein eine Beweglichkeit bis zu 20 Grad haben kann, nach vorne und hinten. Im Stehen nimmt das Steißbein seine ursprüngliche Stellung ein.

Unter den Steißbeinschmerzen (Coccygodynie) leiden in erster Linie Frauen, was an der besonderen Stellung des Steißbeins bei der Frau liegen kann.

Symptome

Es ist wichtig, andere Ursachen für die geschilderten Schmerzen auszuschließen: so können lumbale, anale, rektale (der Enddarm liegt vor dem Steißbein) und neurologische Ursachen für die Symptome vorliegen.

Ein wichtiger Auslöser für die Coccygodynie (oder Kokzygodynie ) ist die sitzende Stellung. Die Schmerzen können gleich beim Sitzen auftreten, erst bei längerem Sitzen oder beim Aufstehen. Oft spielt die Form des Sitzes eine Rolle, manche Personen haben eine Schmerzverstärkung beim Stuhlgang.

Die Ursache kann ein Sturz oder ein Schlag auf das Gesäß sein oder ein wiederholtes langes Sitzen auf einer harten Unterlage.

Diagnose

Die Diagnose besteht vor allem aus einer Palpation des Steißbeins. Diese kann auch bidigital  mit einem Finger im Rektum erfolgen. Auf diese Weise kann auch eine für die Symptome verantwortliche Überbeweglichkeit festgestellt werden.

Darüberhinaus kann eine Röntgenaufnahme, z. B. nach einem Sturz auf eine Fehlstellung hinweisen. Die sehr variable Form des Steißbeins erschwert jedoch die Röntgendiagnostik.

In manchen Fällen kann eine Kernspintomographie einen Hinweis für eine Entzündung zeigen.

Wenn die Ursache nicht festgestellt werden kann, werden psychologische Störungen (Depression) vermutet. In der Hälfte der Fälle liegen jedoch mechanische Ursache vor wie eine Überbeweglichkeit, eine Luxation oder Verknöcherungen.

Behandlung

  • Sitzkissen: Es gibt spezielle Sitzkissen, z.B. in Form eines Rettungsreifens, die das Steißbein entlasten. Grundsätzlich sollte man zu langes Sitzen am Stück sowie harte Unterlagen vermeiden.
  • Orale entzündungshemmende Medikamente: Sie können im Anfangsstadium oft eine gute Linderung bringen und ausreichen.
  • Entzündungshemmende Infiltrationen: Es handelt sich dabei um Kortikoidinfiltrationen, die bei hartnäckigen Symptome lokal eingesetzt werden.
  • Manipulative Therapien wie Chirotherapie und Osteopathie: können bei Luxationen und Hypermobilität eingesetzt werden.
  • Nervenblockade: Dabei werden die schmerzauslösenden Nerven oder Nervenganglien (Ganglion impar) therapiert. Es kann sich dabei um vorübergehende Blockaden handeln, die mit lokalen Betäubungsmittel behandelt werden oder um permanente Blockaden, die mit Kälte (Cryodenervation) oder Wärme (Thermokoagulation) behandelt werden.
  • Coccygectomie: Die chirurgische Entfernung des Steißbeins ist eine effektive (80 bis 90 Prozent, je nach Studien), wenn auch selten durchgeführte Behandlung. Die Ergebnisse sind abhängig von einer guten Selektion der Patienten. Die Ursache sollte eine Luxation oder Überbeweglichkeit des Steißbeins sein (idealerweise durch Funktionsröntgenaufnahmen nachgewiesen im Stehen und Sitzen) und die konservativen Behandlungsmaßnahmen keine Besserung erbracht haben. Mögliche Risiken sind eine Darmverletzung, Nervenverletzungen und Infekte. Eine definitive Besserung nach Operation tritt oft erst 4 bis 8 Monate später ein.

Insgesamt ist die Coccygodynie Therapien zugänglich. Bei hartnäckigen Verläufen sollte eventuell eine Überbeweglichkeit des Steißbeins mit Hilfe von Röntgenaufnahmen geprüft werden.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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