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Die Arthrofibrose des Kniegelenks – was tun?

Arthrofibrose

© JPC-PROD – Fotolia

Die Arthrofibrose des Kniegelenks ist eine Komplikation nach einer Verletzung oder einer Operation (Knieendoprothese, Kreuzband). Dabei entsteht eine überschüssige Narbenbildung im und manchmal um das Gelenk und führt zu einer schmerzhaften, oft bleibenden Bewegungseinschränkung. Im Spätstadium kommt es zu Muskel- und Sehnenverkürzungen. Dieses Phänomen kann jedes große Gelenk treffen. Hierzu gehören beispielsweise Schulter, Hüfte, Sprung- und Handgelenk.

Ausgelöst wird die Arthrofibrose durch die Aktivierung von narbenbildenden Zellen, die ein Enzym produzieren, das die Narbenbildung und Verklebung fördert. Die Arthrofibrose ist die häufigste Komplikation nach einer Kreuzbandersatzoperation. Nach einer Knieprothesenoperation beträgt das Risiko etwa vier Prozent.

Wodurch wird die Neigung für eine Arthrofibrose begünstigt?

Mögliche prädisponierende Faktoren sind zum Beispiel eine schon bekannte Neigung zu ausgeprägten Narbenbildungen, eine schlechte Kniegelenkbeweglichkeit vor der Operation und bereits stattgefundene Arthrofibrosen an anderen Gelenken. Emotionale Belastungen und vegetative Störungen werden ebenfalls als Auslöser beschrieben. Für eine primär eintretende Arthrofibrose (ohne vorausgegangene Operation oder Verletzung) könnte eine genetische Prädisposition verantwortlich sein. Man weiß inzwischen, dass man nicht zu früh nach einem Trauma operieren soll, weil dann die Wahrscheinlichkeit einer Arthrofibrose deutlich erhöht ist.

Was sind die Symptome?

Die Symptome bestehen aus einer Einsteifung des Kniegelenks mit einer zunehmenden Unfähigkeit, das Knie zu beugen und/oder es zu strecken. Auffallend ist eine zunehmende Fixierung (verringerte Verschiebbarkeit) der Kniescheibe. Das Kniegelenk kann gerötet und geschwollen sein. In dieser Phase sollte eine mögliche Infektion ausgeschlossen werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die beste Behandlung ist eine vorbeugende Behandlung. Bewegungseinschränkungen durch Verklebungen und Narbenbildungen im Gelenk können durch eine geeignete regelmäßige Bewegungstherapie nach einer Verletzung oder einer Operation meistens vermieden werden. Die Nachbehandlung nach Operation oder Verletzung sollte aber unbedingt mit Rücksicht auf das Gewebe durchgeführt werden.

Krankengymnastische Therapie

Tritt der Fall trotzdem ein, kommen konservative und invasive Verfahren in Frage.

Eine regelmäßige krankengymnastische Therapie kann sowohl in Eigenregie als auch mit einem Therapeuten durchgeführt werden.

Die Meinungen auf dem Gebiet sind widersprüchlich. Einerseits möchte man durch intensive Bewegungstherapien Verklebungen vermeiden. Andererseits weiß man auch, dass zu intensive Manipulationen Narbenbildungen fördern können. Es kommt auf die richtige Dosierung an. Die Krankengymnastik kann mit Lymphdrainagen und osteopathische Techniken kombiniert werden.

Narkosemobilisation

In einer Kurznarkose wird das Bein durch den Operateur vorsichtig, aber kräftig genug mobilisiert. Dabei kommt es zu teilweise hörbarem Zerreißen von Verklebungen. Die Mobilisation erfolgt oft unter stationären Bedingungen, um danach eine intensive Krankengymnastik unter ausreichender Schmerztherapie durchführen zu können. In leichten Fällen, wenn die Operation nur wenige Monate zurückliegt, ist diese Behandlung erfolgreich.

Arthroskopische oder offene Entfernung von Narben

Die Mehrheit der Ergebnisse nach einem solchen Eingriff ist gut. Es ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt für eine eventuell notwendige invasive Behandlung zu finden. Erfolgt die Behandlung zu spät, sind unter Umständen strukturelle Veränderungen in den Sehnen und Muskeln (Verkürzungen) vorhanden, die nur schwer rückgängig zu machen sind.

Unabhängig davon, wie viel Bewegungsumfang durch eine operative Narbenentfernung (arthroskopisch oder offen) oder durch eine Narkosemobilisation erreicht wurde, bleibt die größte Herausforderung, diesen erreichten Umfang nach der Behandlung durch eine konsequente Nachbehandlung auf Dauer zu erhalten.

Im Gelenk kann sich sehr rasch neues Narbengewebe bilden. Die Neubildung von Narbengewebe wird durch die infolge des Eingriffs ausgelösten entzündlichen Reaktionen in Verbindung mit einer mehr oder weniger großen Blutergussbildung gefördert.

Um die wiederreichte Gelenkbeweglichkeit nach dem Eingriff zu erhalten, ist eine adäquate, ausreichende Schmerztherapie ein entscheidender Faktor. Diese kann bei Bedarf neben oralen Schmerzmitteln auch durch einen Schmerzkatheter gewährleistet werden. In den seltenen Fällen, in denen es nur um die Streckfähigkeit des Kniegelenkes geht, reicht unter Umständen die Versorgung mit einer Lagerungsschiene in maximaler Streckung. In allen anderen Fällen, wo es vor allem um die Beugung geht, sind die ersten 2 bis 3 Wochen nach der Operation die entscheidenden Tage.

Bereits im Aufwachraum kann das Bein auf einer Motorschiene gelagert werden. Es handelt sich dabei um eine mit Elektromotor angetriebene Schiene, auf der das Bein langsam gestreckt und gebeugt wird. Dies sollte in den ersten Tagen fast ununterbrochen erfolgen. Nach der Entlassung des Patienten kann diese Schienenbehandlung auch ambulant zu Hause erfolgen. Neben dieser passiven kontinuierlichen Bewegung (CPM: continuous passive motion) auf einer CPM-Schiene ist auch eine krankengymnastische manuelle Therapie erforderlich.

Die Arthrofibrose ist eine ernstzunehmende mögliche Komplikation nach einer Operation. Sie kann unter Umständen die Lebensqualität des Betroffenen stark beeinflussen. Ihre Behandlung verlangt eine enge Kooperation zwischen dem Patienten und dem Behandlungsteam.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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