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Knieprothesenwechsel

Arthrose

Bei mir steht 13 Jahre nach der Erstoperation ein Knieprothesenwechsel an. Warum ist diese Operation viel schwieriger als die Erstoperation?

Frau S.. Berlin

Antwort:

Sehr geehrte Frau S.,

bei einer sogenannten Revisionsoperation, wie in Ihrem Fall bei einem Knieprothesenwechsel, hat man nicht mehr die gleichen anatomischen Verhältnisse wie beim Ersteingriff.

Der Schnitt erfolgt meistens parallel zur alten Hautnarbe. Oft ist das darunter liegende Gewebe (Fett, Kapsel, usw.) vernarbt und verhärtet, so dass eine genaue Präparation des Operationsgebietes, um eine gute Darstellung zu haben, schwieriger ist und länger dauert. In manchen Fällen kann die Durchblutung der Weichteile durch einen erneuten Eingriff gefährdet sein.

Es werden dann die gelockerten Prothesenanteile entfernt. Dazu werden Stößel, Hammer und manchmal Spezialsägen benutzt. In seltenen Fällen reicht es, nur einzelne Komponenten der Prothese zu wechseln. Die Prothesenteile müssen vorsichtig entfernt werden, um den noch vorhandenen Knochen zu erhalten. Anschließend werden die Knochenoberflächen dargestellt und von Narben- und eventuell Knochenzementresten gesäubert.

Je nach Prothesenmodell, das implantiert werden soll, müssen die Knochenflächen mit der Säge nachbearbeitet werden. Oft werden beim Wechsel zementierte gekoppelte oder teilgekoppelte Knieprothesen mit meistens längeren Stielen als die ursprüngliche Prothese eingesetzt. Man kann mit einer Probeprothese während des Eingriffs die Beweglichkeit, die Stabilität und die Achse prüfen. Dann kann die endgültige Prothese einzementiert werden. Um während der Operation allen Situationen gerecht zu werden, handelt es sich bei den Revisionsprothesen meistens um modulare Systeme. So kann, wie mit einem Baukasten, im Operationssaal die passende Prothese aus einzelnen Komponenten zusammengebaut werden. Die einzelnen Teile werden teils miteinander verschraubt oder kaltverschweißt. Die Computernavigation ist beim Prothesenwechsel oft hilfreich, um eine genaue achsengerechte Implantation zu erreichen. Erfolgt der Wechsel aufgrund einer Infektion, ist dieser oft zweiseitig.

Es ist somit klar, dass ein Knieprothesenwechsel eine gewisse Herausforderung darstellen kann, die einen erfahrenen Operateur voraussetzt.

Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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