Anzeige

Schmerzmittel bei Arthrose – was wann hilft

Schmerzmittel

© cozyta – Fotolia

Je nach Stadium der Arthrose und Stärke der Schmerzen kommen in der Arthrosetherapie unterschiedliche Schmerzmittel zum Einsatz.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Die Behandlung der Schmerzen und der entzündlichen Komponenten der Arthrose beginnt oft mit dem Einsatz von sogenannten NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika). NSAR beinhalten kein Kortison, wirken entzündungshemmend und schmerzlindernd, helfen aber nicht, die Arthrose aufzuhalten. NSAR hemmen unspezifisch nicht nur die Cyclooxygenase 1 (COX-1), sondern auch die Cyclooxygenase 2(COX-2). Ihre schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung verdanken die NSAR der Tatsache, dass sie die Bildung der Prostaglandine über die Hemmung der körpereigenen Enzyme Cyclooxygenase (COX 1 & 2) reduzieren. Die häufigste Nebenwirkung dieser Medikamentengruppe sind Probleme im Magen-Darm-Trakt, wie Magenschmerzen oder Durchfälle (bei etwa 30-50 Prozent der Patienten). Etwa 8-10 Prozent der Patienten entwickeln Geschwüre im Magen-Darm-Trakt. Patienten, die über 65 Jahre alt sind, bereits unter Magengeschwüren litten, eine Begleittherapie mit Kortison oder Blutverdünnern erhalten, tragen ein erhöhtes Risiko, diese Nebenwirkungen zu entwickeln. An zweiter Stelle stehen die Nebenwirkungen Nierenfunktionsstörungen und Blutdruckerhöhung. Patienten mit Nierenerkrankungen, Herzschwäche, Leberzirrhose und ältere Menschen sollten NSAR sehr vorsichtig einsetzen und regelmäßig ihre Nierenwerte kontrollieren lassen. Vertreter dieser Medikamentengruppe sind beispielsweise Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac, Ketoprofen und Naproxen.

COX-2-Hemmer

COX-2-Hemmer (auch Coxibe genannt) sind eine spezielle Form der NSAR, welche ein günstigeres Profil hinsichtlich der Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt aufweisen. Bei langfristiger Einnahme werden sie aber auch mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko in Verbindung gebracht und sind deshalb bei Patienten mit kardialen Vorerkrankungen nicht zu empfehlen. Coxibe sind zur langfristigen symptomatischen Behandlung chronisch entzündlicher und degenerativer Gelenkerkrankungen wie Rheumatoide Arthritis und Osteoarthritis zugelassen; Etoricoxib, Valdecoxib und Parecoxib auch zur kurzfristigen Anwendung bei akuten Schmerzzuständen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt, Coxibe und NSAR bei herzkranken Patienten in möglichst niedriger Dosis und nur zeitlich begrenzt einzusetzen.

Kortison (Glucocorticoide)

Bei der akuten, „aktivierten“ Arthrose helfen Kortison-Injektionen in das betroffene Gelenk, die Entzündung zu mindern und dabei die Schmerzen zu lindern. Sie wirken rasch schmerzlindernd, der Behandlungseffekt ist jedoch meist nur auf wenige Tage beschränkt. Liegt jedoch keine Entzündung im Gelenk vor, befindet sich die Arthrose also im nicht-aktiven Stadium, macht die Behandlung mit Kortison wenig Sinn. Einer Langzeittherapie mit Kortison stehen trotz hervorragender Wirksamkeit vielfältige unerwünschte Nebenwirkungen entgegen. Dennoch: Bei Patienten mit Kniearthrose konnten die Schmerzen signifikant reduziert und die Gelenkfunktion über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis zu einem Jahr verbessert werden.[1] Kortison-Injektionen sollten möglichst selten eingesetzt werden. Kortison wirkt zwar stark entzündungshemmend, kann jedoch bei häufiger Anwendung auch zu Knorpelschäden führen. Kortison vermindert die Bildung von Hyaluronsäure, einem wesentlichen Bestandteil des Knorpels. Steht in den nächsten Monaten ein künstlicher Gelenkersatz an, sollte keine Gelenkinjektion mehr erfolgen.

Opioide

Opioide gewinnen bei der Therapie sehr starker arthrosebedingter Schmerzen an Bedeutung. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO eignen sich Opioide in der Langzeitanwendung bei Arthrose. Bei korrekter Anwendung führen diese weder zu Schäden im Magen-Darm-Trakt noch in der Leber oder anderen Organen. Sie verfügen über eine schmerzdämpfende Wirkung, indem sie im zentralen Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) direkt die Entstehung und Weiterleitung der Schmerzen hemmen. Zu den schwach wirksamen Opioiden gehören z.B. Tramadol und Dihydrocodein, zu den stark wirksamen z.B. Morphin, Buprenorphin und Fentanyl.

Opioidanalgetika sind kontraindiziert bei:

  • Schwangerschaft
  • Lungenerkrankungen mit eingeschränkter Lungenfunktion (z.B. Asthma bronchiale, Emphysem)
  • akuter Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Porphyrie (gestörte Biosynthese des Hämoglobin)
  • Erhöhter Hirndruck

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen Darmträgheit und Verstopfung; Aus diesem Grund müssen Abführmittel oder Laxanzien häufig während der gesamten Opioid-Therapie eingenommen werden. Auch über Übelkeit und Erbrechen wird häufig berichtet, diese klingen in der Regel jedoch nach zwei bis drei Wochen wieder ab. Zu weiteren möglichen Nebenwirkungen zählen Schwindel oder Juckreiz, Mundtrockenheit, Probleme beim Wasserlassen und Beeinträchtigungen des Herz-Kreislauf-Systems. Bei hohen Dosierungen kann die Gabe von Opioiden auch zu einer Atemdepression führen.

[1] Olivia T. Cheng, Dmitri Souzdalnitski, Bruce Vrooman, and Jianguo Cheng: Pain Med. Jun 2012; 13(6): 740–753.

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

Diesen Beitrag drucken
Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlen

Teilen Sie diesen Beitrag