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Muss Präarthrose zu einer Arthrose führen?

Präarhrose

© Elnur – Fotolia

Unter Präarthrose versteht man frühe Veränderungen an Gelenken, die mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit in einer absehbaren Zeit zu einer Arthrose führen werden.

Prädisponierende Faktoren, die zu einer Arthrose führen können, sind bekannt. Die bekanntesten sind Übergewicht, angeborene oder durch Unfälle erworbene Fehlstellungen oder Fehlhaltungen, genetische Faktoren und Stoffwechselstörungen (Gicht) und vor allem das Altern. Die Ursache für eine Arthrose ist somit oft multifaktoriell.

Es gibt somit auch Faktoren, die bei normaler Belastung der Gelenke zu einer Knorpelschädigung führen können (Alter, Genetik, Stoffwechselstörung).

Man kann auch von einer dynamischen Präarthrose sprechen wie bei der muskulären Dysbalance. Ein gutes Beispiel dafür ist eine überwiegend sitzende Tätigkeit ohne Ausgleich durch eine regelmäßige sportliche Tätigkeit, die mit der Zeit zu einer nicht ausbalancierten Muskulatur im Bereich der Wirbelsäule führen kann. Sie verursacht somit eine Fehlbelastung der Wirbelgelenke, die zu einer Arthrose dieser Gelenke führt.

Professor Hackenbroch berichtete bereits 1943 von erkennbaren Residuen (Überbleibsel) vorausgegangener angeborenen oder erworbenen Erkrankungen und Verletzungen der Hüfte am Röntgenbild, die letztendlich zu einer Fehlfunktion und später zu einer Arthrose des Hüftgelenks führen. Dies kann auch auf andere Gelenke übertragen werden, wie zum Beispiel die sogenannte Instabilitätsarthrose bei chronisch instabilem Kniegelenk.

Somit können die Präarthrosen in drei Gruppen eingeteilt werden:

  1. Die intraartikulären (im Gelenk) Präarthrosen als Residuen (Überbleibsel) von nicht an ein bestimmtes Gelenk gebundenen Erkrankungen wie zum Beispiel Knorpelerkrankungen, rheumatische Erkrankungen, Gelenkinfektionen, chronische Instabilitäten und Luxationen (Ausrenkungen).
  2. Die intraartikulären Präarthrosen als Residuen von spezifischen angeborenen oder erworbenen Erkrankungen des Hüft- und Kniegelenks wie zum Beispiel angeborene Hüfterkrankungen und Fehlstellungen, Durchblutungsstörungen und Knorpelerkrankungen des Hüftkopfes bei Kindern und Jugendlichen, Aufbaustörungen des Kniescheibengleitlagers
  3. Die extraartikulären Präarthrosen (Ursache liegt außerhalb des Gelenks) wie zum Beispiel Achsenabweichungen oder einseitige Beinverkürzungen.

Welche praktischen Konsequenzen kann man aus dem Wissen einer Präarthrose ziehen?

Im besten Fall sollte beim Erkennen einer Präarthrose noch keine Arthrose des betroffenen Gelenkes vorliegen. So kann eine langfristige Planung erfolgen. Nach einer ausführlichen klinischen Untersuchung wäre es wichtig, Risiken für eine potentielle Verschlechterung zu erfassen.

So kann zum Beispiel bei Übergewicht (isoliert oder mit zusätzlichen Risiken wie O- oder X-Bein) eine Verringerung des Gewichtes angestrebt werden. Dieses wird umso wichtiger, wenn bereits eine familiäre Vorbelastung mit Arthrose als Spätfolge bei Familienmitgliedern vorliegt.

Der Arzt, in diesem Fall oft der behandelnde Orthopäde, sollte seinen Patienten über die Wahrscheinlichkeit einer symptomatischen Arthrose aufklären. Dann sind konkrete vorbeugende und therapeutische Maßnahmen zu besprechen. Der Arzt bezieht den Patienten in die therapeutischen Entscheidungen mit ein.

Die Einbeziehung des Patienten ist erforderlich, da es um Entscheidungen geht, die in ihrer Auswirkung nicht hundertprozentig vorhersehbar sind. So kann zum Beispiel bei einer Fehlstellung des Hüftgelenkes eine operative Korrektur der Fehlstellung die Bildung einer frühen Arthrose nicht mit absoluter Sicherheit ausschließen. Weiterhin bleiben auch die üblichen Operationsrisiken bestehen, die besprochen werden müssen.

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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