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Schwerere Arthrose bei Diabetikern?

® Thomas Siepmann - Pixelio

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Patienten mit Diabetes haben ein doppelt so hohes Risiko, irgendwann in ihrem Leben ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk zu erhalten. Zu diesem Ergebnis kamen Auswertungen der Bruneck-Studie. Die Studie umfasst eine alters-und geschlechtsspezifisch geschichtete Zufallsauswahl von 927 Männern und Frauen im Alter zwischen 40 und 80 Jahren. Seit 1990 werden die Gesundheitsdaten aller älteren Einwohner der Ortschaft Bruneck im Südtirol erfasst. Über zwanzig Jahre lässt sich so die Entwicklung des Gesundheitszustandes der Probanden zurückverfolgen. Unter den Studienteilnehmern waren 69 Diabetiker. Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass der Zusammenhang zwischen der Diabetes-Erkrankung und des späteren Einsetzens eines künstlichen Gelenkes unabhängig vom Body-Mass-Index oder Alter bestand – zwei klassischen Risikofaktoren für Arthrose. Die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Arthrose-Verlauf nimmt mit Dauer der Diabetes-Erkrankung zu. Diese Erkenntnis spricht dafür, dass eine Stoffwechselkomponente wesentlich bei der Einwicklung einer schweren Arthrose beteiligt ist.

Welchen Einfluss hat der Blutzuckerspiegel?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Wirkung des zu hohen Blutzuckers für das erhöhte Arthrose-Risiko verantwortlich ist. Die Zuckermoleküle schädigen die Knorpelzellen in den Gelenken, was zur Zerstörung dieser Zellen führen kann. Außerdem löst der zu hohe Blutzucker Entzündungsreaktionen aus, die die Zusammensetzung der Gelenkflüssigkeit verändert. Diese veränderte Gelenkflüssigkeit kann den Gelenkknorpel angreifen. Diabetes schadet nicht nur den Blutgefäßen, er bewirkt auch Nervenschädigungen. Diese sogenannte ‚Neuropathie‘ entwickelt ungefähr jeder 3. Diabetiker. Das Spektrum der Neuropathiesymptome ist sehr groß. Es kann unter anderem zu Störungen des Schmerz-, Berührungs- oder Temperaturempfindens kommen. Weitere Krankheitszeichen sind chronische Schmerzen, Lähmungen und Empfindungsstörungen. Die Neuropathie schwächt die Muskeln, was dazu führt, dass die Gelenke nicht mehr ausreichend stabilisiert werden. Und nicht ausreichend stabilisierte Gelenke stellen einen Risikofaktor für Arthrose dar.

Diabetiker können ihr Arthrose-Risiko verringern, indem sie ihr Gewicht reduzieren und auf einen gut eingestellten Diabetes achten. Auf diese Weise werden die Gelenke geschont und der Blutzucker stabil gehalten, was das Arthrose-Risiko positiv beeinflusst.

Autorin: Dr. oec. troph. Sybille Römmelt, wissenschaftliche Redakteurin

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