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Arthrose an der Wirbelsäule und Spinalstenose — was tun?

Arthrose an der Wirbelsäule

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Sie stehen morgens auf und haben eine steife, schmerzhafte Lendenwirbelsäule. Vielleicht haben Sie auch nach etwa 200 Metern Fußweg Schmerzen in den Beinen. Sie müssen sich hinsetzen und warten, bis die Schmerzen nachlassen. Ihr Orthopäde hat eine fortgeschrittene Arthrose Ihrer Lendenwirbelgelenke (Spondylarthrose) festgestellt und aufgrund der auftretenden Symptome eine Spinalkanalstenose diagnostiziert.

 

Was Sie jetzt nicht machen sollten:

  1. Warten, bis es besser wird, ohne etwas zu unternehmen. Die lumbale Spinalstenose ist eine Krankheit, die sich in der Regel verschlechtert, wenn man nichts tut.
  2. Nur entzündungshemmende Medikamente einnehmen. Die Medikamente haben eine positive Wirkung auf die Wirbelgelenkschmerzen und die Nervenreizung und wirken somit vorübergehend schmerzlindernd. Sie haben selbstverständlich dadurch einen Nutzen, verändern aber nicht den Verlauf der Erkrankung. Nur ein gezieltes Einwirken auf die Statik und Beweglichkeit der Wirbelsäule hat eine anhaltende Wirkung.
  3. Nur passive Krankengymnastik mitmachen. Entscheidend ist ein aktives Programm unter Leitung eines Physiotherapeuten zur Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Beweglichkeit der Wirbelsäule. Durch diese Übungen kann unter Umständen ein Einfluss auf die entzündlichen Prozesse an den Wirbelgelenke und den Nerven erreicht werden. Die Statik und Stellung der Wirbelsäule kann so verändert werden, dass eventuell sogar der Durchmesser des Spinalkanals erweitert wird.
  4. Denken, dass ein operativer Eingriff die einzige Lösung ist. Im Anfangsstadium kann die physikalische Therapie, vor allem in Kombination mit einem aktiven Trainingsprogramm, eine Linderung bringen. Die Operation sollte jedoch nur für die Fälle eine Lösung sein, die sich unter konservativer Therapie nicht verbessern lassen oder sich sogar weiter verschlechtern.

Konservative Maßnahmen:

  • Die physikalische Therapie mit Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur führt zu einer verbesserten Körperhaltung, der Vermeidung von Spitzenbelastungen der Wirbelsäule und dem Erlernen von Wirbelsäulen schonenden Verhaltensregeln.
  • Eine Gewichtsreduktion falls notwendig (auch um wenige Kilos) kann eine große Entlastung der Wirbelsäule bedeuten. Nicht-steroidale, entzündungshemmende Medikamente können durch die Verringerung der Entzündung eine Linderung herbeiführen. Zu beachten sind jedoch die Nebenwirkungen, vor allem bei älteren Menschen (Nieren- und Leberschaden, Magen-Darm Probleme oder kardiovaskuläre Risiken). Es besteht weiterhin die Option, Kortison und Schmerzmittel einzunehmen.
  • Möglich sind auch alternative Behandlungen wie Akupunktur und Osteopathie, welche jedoch eher als Begleittherapien einzustufen sind.
  • Eine wirksame Therapieoption, die einer chirurgischen Lösung vorgezogen werden kann, sind epidurale Kortison-Injektionen. Dabei wird Kortison unter Durchleuchtung oder computertomographischer Kontrolle in Höhe der Verengung in den Spinalkanal gespritzt. Die Behandlung kann bei Bedarf wiederholt werden.
  • Als letzte Option gilt der chirurgische Eingriff. Dabei werden im Bereich der Einengung vor allem Knochen, sowie verkalkte und verdickte Ligamente und Bänder, eventuell auch Bandscheibengewebe, im Spinalkanal oder um den Spinalnerven entfernt. Falls ein Gleitwirbel vorliegt oder die Wirbelsäule instabil ist, wird eine Versteifung (mit Schrauben und/oder einer Verblockung der Wirbelkörper und der Einführung eines Platzhalters zwischen den Wirbelkörpern) durchgeführt.

Operative Maßnahmen:

Die operative Lösung ist meistens erfolgreich und führt zu Linderung. Es kann aber auch vorkommen, dass nur vorübergehend eine Besserung erreicht wird und weitere Eingriffe notwendig werden. Studien (Surgery Versus Nonsurgical Treatment of Lumbar Spinal Stenosis: A Randomized Trial , Anthony Delitto, PT, et al. Ann Intern Med. 2015;162(7):465-473.) konnten nachweisen, dass eine intensive physikalische Therapie eine ähnliche Wirkung haben kann.

Somit sollte eine Operation nur in schweren, therapieresistenten Fällen erfolgen. Ein konservativer Therapieversuch sollte normalerweise vor  einer Operation unternommen werden.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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