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Sprunggelenkprothese – Standard bei fortgeschrittener Arthrose?

© Smith&Nephew

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Der goldene Standard bei der fortgeschrittenen Sprunggelenkarthrose war bisher immer die Versteifung (Arthrodese) des Sprunggelenks. Neben einer möglichen Pseudarthrose (Ausbleiben der knöchernen Durchbauung der Versteifung) können eine lange Nachbehandlungszeit (bis zu 4 Monaten) und die Entwicklung von Arthrosen in den benachbarten Gelenken problematisch sein.

Die ersten Sprunggelenkprothesen wurden vor mehr als 40 Jahren implantiert. Design der Prothese und Implantationstechniken wurden seit dieser Zeit kontinuierlich weiterentwickelt. Es handelt sich heute um eine dreiteilige Prothese mit einer Kappe für das Sprungbein (Talus), einer Platte für das Schienbein (Tibia) und einem meist beweglichen Kunstoff-Polyethylen Gleitkern. Die Prothesenteile werden zementfrei implantiert.

In Deutschland werden zurzeit etwa 2.000 Sprunggelenkprothesen pro Jahr implantiert. Die Tendenz ist steigend. Langzeitstudien zeigen eine zunehmend gute Überlebensrate der Prothesen nach 5 Jahren (95%) und nach 10 Jahren (80%).

Die Vorteile der Sprunggelenkprothese sind ein Erhalt, eventuell auch eine Verbesserung der Beweglichkeit im oberen Sprunggelenk mit verbessertem Gangablauf (Bewegung). Dies führt zu einer reduzierten Anfälligkeit der benachbarten Gelenke, eine Arthrose zu entwickeln. Die Ergebnisse bezüglich der Schmerzreduzierung und der Patientenzufriedenheit sind vergleichbar mit der Versteifungsoperation. Inzwischen können auch Sprunggelenkprothesen implantiert werden, wenn eine leicht ausgeprägte Gelenkfehlstellung vorliegt. Neben einer guten Planung und einer sorgfältigen Auswahl der Patienten spielt die Erfahrung des Operateurs eine große Rolle.

Guter Knochenerhalt: Voraussetzung für eine Sprunggelenkprothese

Komplikationen wie zum Beispiel das Auflösen des Sprungbeinknochens nach einer Operation, die Lockerung der Prothese, Knochenbrüche und Weichteilprobleme führen manchmal zu schwierigen Nachfolge- und Revisionsoperationen. Oft bleibt hierbei nur die Möglichkeit einer Versteifungsoperation.

Die Sprunggelenkprothese, genauso wie die Versteifungsoperation, ist nicht für jeden Patienten mit einer fortgeschrittenen Sprunggelenkarthrose geeignet. Die operative Versteifung eines Gelenkes (Arthrodese) bleibt weiterhin ein gutes Verfahren mit meistens gutem postoperativem Ergebnis. Sie bleibt weiterhin anzeigt bei starken Schäden und Fehlstellungen des Gelenkes, bei übergewichtigen Patienten, nach abgelaufenen Infektionen und bei älteren Menschen.

Die Sprunggelenkprothese ist gut geeignet bei gutem Erhalt der Knochensubstanz und stabilen Gelenkverhältnissen mit guter Bandführung. Auch sollten keine zu hohen Erwartungen an Beweglichkeit und Belastbarkeit gestellt werden.

Im Grunde ist die Prothese nicht oder noch nicht der goldene Standard. Sie erweitert allerdings die operativen Möglichkeiten, wenn eine schwere Sprunggelenkarthrose vorliegt. Bei der individuellen Beurteilung eines Patienten sollten im idealen Fall beide Möglichkeiten als Alternativen diskutiert und die für den Patienten bessere Wahl getroffen werden.

Quellen:
Zaidi R, Cro S, Gurusamy K, et al. : The outcome of total ankle replacement, a systematic review and meta-analysis. Bone Joint J. 2013;95-B(11).1500-1507
Hsu Andrew R., Haddad Steven L. : Will total arthroplasty become the new standard for end-stage ankle arthritis? Orthopedics, April 2014, Vol 37, issue 4: 221-223

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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