Anzeige

Fersenschmerzen: Und wenn es doch nicht der Fersensporn ist?

Fersenschmerzen

© bilderzwerg – Fotolia

Fersenschmerzen sind eine der häufigsten Ursachen für Rückfußbeschwerden und stellen oft eine therapeutische Herausforderung dar.

Biomechanik 

Ein Blick auf die Anatomie ist wichtig, um die Behandlungsprinzipien zu verstehen. Die Plantaraponeurose (Faszie) ist ein verdicktes fibröses Gewebeband, das im Fettgewebe der Fußsohle verläuft. Es hat die Form eines Dreiecks. Die Spitze des Dreiecks ist hinten am Fersenbein fixiert. Die vordere Seite verläuft fächerförmig im Bereich des Mittelfußes in fünf Bänder, die sich weiter vorne in die Haut der Fußsohle und in die Großzehengrundgelenke bis teilweise in die Zehenknochen verlaufen. Somit ist dieses Band wichtig für die Stabilisierung des Fußes und auch für den Antrieb am Ende der Belastungsphase des Fußes. Insgesamt hat dieses Band eine wichtige Funktion. Der komplette Verlust durch Einrisse hat laut Studien große Auswirkungen auf die Fußstatik. Bedeutend für Beschwerden sind weiterhin Nervenäste, die zum Beispiel durch knöcherne Sporne beim Gehen gequetscht werden können.

Ursachen

Es gibt verschiedene Theorien, um Fersenschmerzen zu erklären. Eine Theorie ging davon aus, dass eine Erhöhung des intraossären Drucks im Fersenbein die Schmerzen verursacht. Dies wurde aber nicht bestätigt. Der eigentliche Mechanismus wird zurzeit durch ein chronisch degeneratives und reparatives Verfahren im Bereich des Bandes erklärt, was durch eine Fehlbelastung ausgelöst wird. Ursachen hierfür sind sowohl Übergewicht als auch eine vermehrte Aktivität, oder durch beides. Diese Theorie konnte durch Gewebeuntersuchungen bestätigt werden: Man stellte in den Geweben Entzündungsprozesse fest und entdeckte Hinweise auf Mikro-Einrisse, abgestorbenes Gewebe (Gewebenekrosen) und Knochenhautentzündungen am Bandansatz. Es könnten auch Nerveneinklemmungen vor Ort für die Beschwerden verantwortlich sein.
Die Rolle des Fersensporns wird kontrovers diskutiert. Eine mögliche Ursache könnte beispielsweise eine Entzündung des umliegenden Gewebes sein, Druck oder auch eine Knochenhautreizung. Doch konnten Wissenschaftler in den zahlreichen hierzu durchgeführten Studien keinen Zusammenhang bestätigen. Einerseits sind sehr viele Fersensporne ohne Symptome, andererseits fehlt der Sporn bei vielen symptomatischen Patienten.
Insgesamt zeigte sich, dass Hohlfüße und Plattfüße anfälliger für Fersenschmerzen sind.

Diagnostik

Der Schmerz tritt eher bei Belastung auf, meistens bereits morgens beim Aufstehen oder nach längerem Sitzen. Der Schmerz kann aber auch durch Belastung nachlassen (Dehnung des Bandes), um danach eventuell stärker wieder aufzutreten.
Der Tastbefund zeigt typischerweise einen Druckschmerz an der Innenseite des Fersenbeines, der manchmal über die gesamte Fußsohle verläuft. Weiterhin sollten die angrenzenden Gelenke auf Schwellungen und Bewegungseinschränkungen hin untersucht werden.
Eine Röntgenaufnahme zeigt manchmal einen Fersensporn an, bei unklarem Befund kann eine Kernspintomographie durchgeführt werden. 

Wodurch können Fersenschmerzen noch ausgelöst werden?

Es gibt noch viele weitere Ursachen für Fersenschmerzen. Manchmal können auch zwei Ursachen gleichzeitig vorliegen. Mögliche Auslöser sind zum Beispiel ein Schleimbeutel am Fersenbein oder in der Fußsohle, Schmerzausstrahlungen in den Mittelfuß durch Probleme im Bereich des Rückfußes, Sehnenreizungen, Nervenengpasssyndrome. Ermüdungsbrüche des Fersenbeins sollten dabei auch nicht übersehen werden. Mögliche Auslöser können auch rheumatische Erkrankungen der Fußgelenke sein, die jedoch meistens dann beidseitig vorliegen.

Konservative Behandlung 

Die erfolgreichste Behandlung der Fersenschmerzen ist die konservative Behandlung. Sie besteht aus einer Kombination von Verhaltensänderung und Dehnungsübungen. Dieser zunächst einfache Ansatz wirkt bei etwa siebzig Prozent der Betroffenen. Dies konnte in einer multizentrischen Studie der American Orthopaedic Foot and Ankle Society (AOFAS) bei einer Untersuchung von 236 Patienten mit isoliertem Fersenschmerzsyndrom gezeigt werden. Die Zahl der guten Ergebnisse stieg auf 88 Prozent, wenn die Patienten zusätzlich Konfektionsferseneinlagen benutzten. Der Fersenschmerz ist oft begleitet von einer eingeschränkten Dorsalflexion des Fußes auf weniger als 10 Grad. Das Studienergebnis unterstützt die These, dass die Elastizität des Komplexes Achillessehne- Plantaraponeurose der Schlüssel zur Verbesserung ist.

Entscheidend für die Behandlung: ein Stretching -Programm 

Das Dehnungsprogramm besteht aus mehreren Übungen, die man morgens durchführen kann, ehe man den Fuß belastet: 

  1. Rollen Sie für eine Minute mit dem Fuß über einen Tennisball, machen Sie eine Pause (30 Sek.) und wiederholen Sie die Übung. Sie können auch eine gekühlte Getränkedose oder Wasserflasche nehmen. Dann haben Sie gleichzeitig die Wirkung der Kälte.
  2. Setzen Sie sich auf den Boden, strecken Sie das Bein mit dem Fuß, den Sie behandeln wollen. Legen Sie ein Handtuch um den Zehenballen, ziehen Sie dann an beiden Enden vom Handtuch und dehnen Sie damit die Fußsohle. Das gleiche können Sie bewirken, wenn Sie im Sitzen die Zehen mit der Hand überstrecken und eventuell gleichzeitig die Fußsohle massieren.
  3. Sie sollten auch die Wadenmuskulatur dehnen. Stellen Sie sich vor eine Wand, legen Sie beide Hände an die Wand, treten Sie mit einem Fuß zurück und strecken Sie dann das hintere Bein. Dabei müssen beide Füße mit der Sohle flach auf dem Boden bleiben.

Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, kommen weitere Verfahren in Frage:

  • Kältetherapie
  • Einnahme eines entzündungshemmenden Medikaments
  • spezielle Schienen und Orthesen
  • Stoßwellentherapie
  • Röntgenreizbestrahlung
  • Kortisoninfiltration

Auch wichtig: Verhaltensänderung

Beim Jogger treten die Probleme oft bei einer Änderung des Trainingsprogramms (wie zum Beispiel eine Erhöhung der Kilometerzahl) auf oder wenn über Hügel gelaufen wird. Auch die Benutzung von abgelaufenen Laufschuhen kann die Probleme auslösen. Akute Fersenschmerzen dagegen entstehen oft durch Teil- oder Komplettruptur des Bandes im Sinne einer Verletzung.

Der Jogger sollte vorübergehend auf Schwimmen und Fahrradfahren umsteigen. Es kann auch wichtig sein, dass man sich eine Weile schont, vermehrte Dehnungsübungen der Wade und Fußsohle praktiziert und Steigungen vermeidet.

Häufig treten die Schmerzen bei Übergewichtigen auf, die eine überwiegend stehende Tätigkeit auf hartem Boden haben. Dann bleiben auf Dauer nur die Gewichtsreduktion und an den Bodenbelag angepasste Schuhe als Lösung.

Operative Behandlung

Die operative Behandlung sollte nur nach mindestens 6-monatiger, erfolgloser konservativer Therapie durchgeführt werden. Sie besteht aus einer teilweisen- oder kompletten Ablösung des „Bandes“ vom Fersenbein und kann durch einen Längsschnitt an der Innenseite der Ferse durchgeführt werden. In den meisten Fällen wird eine Teilablösung durchgeführt. Sie kann auch endoskopisch erfolgen. Sollte auch ein Nervenast freigelegt werden müssen oder gar ein großer Fersensporn entfernt werden, muss der Eingriff konventionell offen erfolgen. Mögliche Komplikationen sind Nervenverletzungen, Veränderungen der Fußstatik, problematische Narben und Wundheilungsstörungen.

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

Diesen Beitrag drucken
Diesen Beitrag per E-Mail weiterempfehlen

Teilen Sie diesen Beitrag