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Entzündungsbedingte Nervenschäden nach Hüftprothesenoperation

© lightwavemedia - Fotolia

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Bisher wurden Nervenschäden nach Hüftoperationen in direktem Zusammenhang mit der Hüftoperation gesehen. Sie wurden vor allem auf mechanische Faktoren zurückgeführt, die entweder vom Chirurgen oder Anästhesisten verursacht wurden. So werden als Ursache eine Überdehnung eines Nervs beschrieben (ausgelöst beispielsweise beim Einrenken der Hüftprothese oder bedingt durch die Lagerung bei der Operation) oder eine direkte Verletzung beispielsweise durch einen Druck bedingt durch Operationsinstrumente.

In einer Publikation der Mayo Clinic Proceedings wird jetzt eine andere mögliche Ursache beschrieben: eine durch eine Entzündung bedingte Neuropathie des Nervs nach der Operation. Es handelt sich dabei um eine immunologische Reaktion, die den Nerven angreift und zu Ausfallserscheinungen führt.

Laut Dr. Nathan Staff, Neurologe der Mayo Clinic, kann eine solche Neuropathie in signifikanter Weise das postoperative Ergebnis beeinträchtigen. Die gute Nachricht ist, dass eine zügige Diagnose, bei der man feststellt, dass die Ursache nicht mechanisch ausgelöst wurde, dazu führen kann, dass man den Betroffenen schneller behandeln kann, die Schmerzen reduziert werden, und zu einer deutlichen Verbesserung des Ergebnisses führt.

Die durchgeführte Studie betrifft Patienten, die nach einer Hüftoperation zunehmend Schmerzen und eine Schwäche im Bein verspürten, und bei denen man ausschließen konnte, dass eine mechanisch verursachte Läsion des Nervs vorlag. Die Diagnose einer Neuropathie konnte durch eine Gewebeprobeuntersuchung (Biopsie) bestätigt werden.

Neuropathien sind entweder vererbt oder sekundär (somit Folge einer anderen Erkrankung oder Schädigung). Die sekundäre Neuropathie kann zum Beispiel durch Stoffwechselstörungen ausgelöst sein (hierzu gehören beispielsweise Diabetes, Schilddrüsen, Nieren oder Lebererkrankungen). Sie kann auch durch nervenschädigende Substanzen ausgelöst werden wie Chemotherapeutika, Alkohol oder durch Erreger (z.B. Borrelien). In diesem Fall wird ein auto-immunologischer Prozess vermutet.

Nach einer Hüftprothesenoperation kann das Immunsystem die körpereigene Zellen angreifen- konkret in diesem Fall sind es die Bestandteile die Beinnerven.

Der Schmerz beginnt im Fuß und steigt ins Bein

Sind die Nervenbahnen des Beines betroffen, ist in den meisten Fällen der Ischiasnerv.

Die Patienten verspüren zunächst Mißempfindungen im Bein wie Taubheit, Pelzigkeit, Kribbeln, manchmal auch eine muskuläre Schwäche. Die Störungen beginnen im Fuß und steigen dann ins Bein hoch. Laut Dr. Staff sollten die behandelnden Ärzte vor allem an die Möglichkeit einer Neuropathie denken.

Einige Symptome sind eher typisch für diese Erkrankung:

  • die Beschwerden entstehen nicht sofort nach der Operation, sie treten verzögert ein und verstärken sich dann.
  • sie verursachen teilweise starke Schmerzen.
  • die anatomische Lokalisation kann sehr variabel sein.

Es ist bekannt, dass eine Beinschwäche, die nach einer Hüftoperation auftritt, auf operationsbedingte Ursachen zurückgeführt werden kann. Hierzu zählen unter anderem Überdehnung, Quetschung durch einen Bluterguss oder gar die Durchtrennung eines Nervs. Wichtig ist es auch, an eine entzündliche Ursache zu denken.

 

Quelle: Clinic, Mayo. „Nerve damage after hip surgery may be due to inflammation.“ Medical News Today. MediLexicon, Intl., 8 May. 2014. Web.

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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