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Die transiente Osteoporose der Hüfte, eine mögliche Diagnose bei Hüftbeschwerden

Osteoporose

© psdesign1 – Fotolia

Beschwerden

Wie sich die transiente Osteoporose bemerkbar macht? Ein Mann mittleren Alters klagt seit einigen Wochen über Schmerzen im Bereich der linken Hüfte. Die Schmerzen traten spontan auf und strahlen in die Leiste, das Gesäß und den Oberschenkel aus. Die Symptome sind stärker bei Belastung, vor allem nach längerem Gehen und werden weniger im Liegen. Insgesamt besteht eine langsame Verschlechterung.

Diagnose

Der Untersuchungsbefund zeigt keine wesentliche Einschränkung der Beweglichkeit, wie sie öfters bei einer Arthrose der Hüfte festgestellt wird. Auf dem Röntgenbild sieht man nur einen altersentsprechenden Befund. Die Diagnose wird in diesem Fall durch eine Kernspintomographie der Hüfte möglich. Die Bilder zeigen eine ausgeprägte Ödembildung des Knochenmarks im Hüftkopf, auch im Schenkelhals bis hin zum oberen Teil des Oberschenkels. Ein Ödem im Knochen bedeutet eine erhöhte Wasseransammlung im Knochen, was sich in der Kernspintomographie in der wassersensitiven Einstellung als eine deutliche Signalanhebung zeigt (Nach einer Verletzung kann es auch eine vermehrte Blutansammlung im Knochen bedeuten!). Ein Knochenödem kann aber auch ein Befund ohne pathologischen Wert sein. In diesem Fall in Verbindung mit Schmerzen kann die Diagnose einer transienten oder transitorischen Osteoporose (oder transientes Knochenmarködemsyndrom genannt) gestellt werden. Es handelt sich dabei um eine meistens reversible akute Entkalkung des Hüftkopfes.

Ursache

Als Ursache wird eine vorübergehende Störung der Mikroblutzirkulation im Knochen angesehen. Sie trifft dreimal häufiger Männer als Frauen, in der dritten bis zur fünften Lebensdekade. Im Anfangsstadium hat die Krankheit eine deutliche Ähnlichkeit mit der Hüftkopfnekrose, die jedoch eher eine schlechtere Prognose hat. Im Falle einer Hüftkopfnekrose ist die Durchblutungsstörung oft definitiv und führt zu einem Absterben des Hüftkopfes. Bei älteren Menschen ist es manchmal schwierig, den Unterschied zu einer schleichenden Schenkelhalsfraktur zu stellen. Zusätzliche Untersuchungen, wie eine hochauflösende Computertomographie, können dann weitere Informationen bringen.

Behandlung

Da der Krankheitsverlauf meistens zu einer spontanen Heilung innerhalb von einigen Monaten (teilweise erst nach 6 bis 12 Monaten) führt, besteht die Behandlung zunächst aus einer Entlastung mit 2 Gehstützen und der Einnahme von Schmerzmitteln (nicht steroidale entzündungshemmenden Mittel). Durch die Entlastung sollten spontane Mikrofrakturen im abgeschwächten Knochen vermieden werden, die erstens zu stärkeren Belastungsschmerzen führen und theoretisch auch eine Schenkelhalsfraktur oder einen Einbruch des Hüftkopfes als Folge haben können. Als weitere therapeutische Möglichkeiten werden Osteoporosemedikamente diskutiert und auch eingesetzt. Wichtig ist es, die Diagnose rechtzeitig zu stellen, um mögliche andere Krankheiten auszuschließen, die unter Umständen eine konsequentere Behandlung brauchen. Dazu gehört zum Beispiel die Hüftkopfosteonekrose, die ähnlich beginnt, aber zu einer progressiven (fortschreitenden) Zerstörung des Hüftkopfes führt. Bei dieser Diagnose können auch operative Eingriffe notwendig werden. Eine Verlaufsbeobachtung mit kernspintomographischen Kontrolluntersuchungen  im Verlauf der Erkrankung kann in manchen Fällen notwendig werden. Das Kniegelenk, in selteneren Fällen das Sprunggelenk und Fußgelenke können auch von einem Knochenmarksödem befallen sein.

 

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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