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Nervenwurzelentzündung – Was nun?

© Alexandr Mitiuc - Fotolia Nervenwurzelentzündung

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Was ist eine Nervenwurzelentzündung?

Die Nervenwurzelentzündung wird auch Radikulopathie genannt (lateinisch radicula=kleine Wurzel und griechisch pathia=  Erkrankung). Es handelt sich dabei um eine Reizung der spinalen Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmarkkanal erscheinen. Diese Wurzeln entstehen aus der Vereinigung von sensiblen (hinteren) und motorischen (vorderen) Nervenfasern in Höhe der Wirbelkörperzwischenräume, jeweils links und rechts. Je nach der Lokalisation dieser Wurzeln spricht man von einer cervikalen Nervenwurzelreizung (im Bereich der Halswirbelsäule) oder lumbalen Nervenwurzelreizung (im Bereich der Lendenwirbelsäule). Möglich ist auch eine Reizung der thorakalen Nervenwurzeln im Bereich der Brustwirbelsäule. Die Symptome werden über die von den Nervenwurzeln ausgehenden Nervenbahnen in den Armen und Beinen ausgelöst.

Was sind die Ursachen für eine Nervenwurzelreizung?

Eine Nervenwurzelreizung kann auch durch Infektionen hervorgerufen werden – wie zum Beispiel durch eine Gürtelrose oder Borreliose.

Die häufigste Ursache der Nervenwurzelreizung ist ein Druckschaden, der durch eine arthrotisch bedingte Verknöcherung des Zwischenwirbellochs (Foramen intervertebrale) verursacht wird, durch welches der Spinalnerv aus dem Rückenmarkkanal austritt. Weitere Auslöser stellen eine Verschiebung der Wirbelkörper beziehungsweise eine Bandscheibenvorwölbung dar. Es kann auch vorkommen, dass mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen. In sehr seltenen Fällen verursacht eine Tumor eine Nervenwurzelreizung.

Was sind die Symptome einer Nervenwurzelreizung?

Die Symptome der Nervenwurzelreizung hängen davon ab, in welchem Bereich der Wirbelsäule die Nervenwurzelentzündung entstanden ist.

Im Fall einer zervikalen Nervenwurzelentzündung sind die Beschwerden im Bereich der Arme lokalisiert. (Sie befinden sich entweder links, rechts oder beidseits. Dies hängt davon ab, ob die Nervenwurzeln auf einer Seite oder auf beiden Seiten betroffen sind). Es kann sich dabei lediglich um Schmerzen handeln oder aber auch um Gefühlsstörungen oder Muskelschwächen (Lähmungen). Durch eine Untersuchung wird abgeklärt, welche Bereiche betroffen sind (Finger, Unterarm, Oberarm). Weiß man, welche Nerven gereizt sind, kann der Bereich, von dem die Symptome ausgehen, definiert werden.

Bei einer lumbalen Nervenwurzelreizung sind die Symptome im Bereich der Beine ähnlich wie im Bereich der Arme. Man spricht dann von einer Ischiasreizung oder Ischialgie.

Wie wird eine Nervenwurzelentzündung diagnostiziert?

Jede Nervenwurzel versorgt bestimmte Körperareale durch die entsprechenden Nerven mit Gefühl und Muskelkraft. Für den Bereich der Haut spricht man von Dermatomen, im Bereich der Muskeln spricht man von Myotomen. Hat man durch eine Untersuchung die Bereiche der Haut festgelegt, wo eine Gefühlsstörung vorliegt, und die Muskeln, die eine Schwäche nachweisen, kann man dadurch festlegen, ob eine Nervenwurzelreizung vorliegt und meistens auch, welche Nervenwurzeln betroffen sind. Darüber hinaus gehören zu dieser Untersuchung ebenfalls die Prüfung der Reflexe und der sogenannte Provokationstest, durch den man die Schmerzen provozieren kann.

Als nächster Schritt kann dann der auslösende Wirbelsäulenabschnitt geröntgt werden (Hals- oder Lendenwirbelsäule) oder auch eine Kernspintomographie durchgeführt werden. Möglich ist zudem eine neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit. Diese zusätzlichen Untersuchungen sind meistens aber erst dann notwendig, wenn schwere neurologische Ausfälle vorliegen oder eine Basistherapie mit entzündungshemmenden Medikamenten, physikalischer Therapie und vorübergehender Schonung nicht anspricht.

Wie behandelt man eine Nervenwurzelreizung?

Die Nervenwurzelreizung, verursacht durch eine Kompression der Nervenwurzel an der Wirbelsäule, wird am Anfang konservativ behandelt. Der Patient sollte sich hier vorübergehend schonen, zusätzlich erhält er entzündungshemmende Medikamente.

Nach der konservativen Behandlung kann dann relativ zügig eine Physiotherapie durchgeführt werden. Hierbei kommt eine manuelle Therapie mit vorsichtigen Traktionen zum Einsatz. Faktoren, die eine Nervenwurzelreizung auslösen können, wie zum Beispiel überwiegend sitzende Tätigkeiten, Übergewicht und Fehlbelastungen durch mangelhafte Rückenmuskulatur usw. sollten ebenfalls besprochen und angegangen werden.

In manchen hartnäckigen Fällen können Kortisoninfiltrationen der Nervenwurzeln durchgeführt werden.

Bei Therapieresistenz oder Auftreten von Lähmungen müssen weitere diagnostische Maßnahmen wie Kernspintomographien eingesetzt werden, um abzuklären, ob nicht doch eine operative Behandlung ansteht. Auch kann dann eher eine Prognose erfolgen.

Welche sind die möglichen operativen Behandlungen einer Nervenwurzelentzündung, die durch eine Kompression bedingt wurde?

Die operative Behandlung ist erst notwendig, wenn therapieresistente Schmerzen oder Lähmungen aufgetreten sind und richtig sich nach der Ursache der Beschwerden.

Im Fall einer knöchernen Einengung besteht die Behandlung im Bereich der Lendenwirbelsäule aus einer mikrochirurgischen (mit dem OP-Mikroskop) Entlastung des Nervenkanals. Im Bereich der Halswirbelsäule, da meistens in diesem Bereich von vorne operiert wird, muss zuerst die Bandscheibe entfernt werden, um an den Nervenkanal zu kommen. Am Ende der Operation wird die entfernte Bandscheibe durch einen Abstandhalter (Knochen-, Metall- oder Kunststoffblock, Bandscheiben-prothese) ersetzt.

Im Bereich der Lendenwirbelsäule ist es auch manchmal notwendig, wenn ein Bandscheibenvorfall vorliegt, die Bandscheibe mit zu entfernen.

Bei starker Verschiebung der Wirbelkörper oder einer Instabilität zwischen zwei Wirbelkörper kann zusätzlich eine Versteifung der Wirbelkörper durch Schrauben und Stäben erforderlich werden.

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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