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Alternativen zur Knietotalendoprothese

© Dirima - Fotolia

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Die Knietotalendoprothese ist sicherlich eine gute Lösung bei schwerer, symptomatischer Kniegelenkarthrose. Man sollte jedoch genau mit seinem behandelnden Arzt abwägen, ob es andere Alternativen gibt und wie die Risiken und Chancen bei einer Operation liegen. So kann es durchaus sein, dass eine Prothese auch bei einem jüngeren Patienten erforderlich ist. Geht man davon aus, dass eine Prothese durchschnittlich nach 15 bis 18 Jahren locker wird, kann es sein, dass über einen längeren Zeitraum hinweg zwei Wechseloperationen anstehen.

Die Kniearthrose verursacht – abhängig vom Stadium des Knorpelverschleißes und des Ausmaßes und Lokalisation der Abnützung – Beschwerden. Aber auch bei gleichem Verschleiß gibt individuelle Unterschiede. Somit ist es entscheidend, neben einer klinischen und radiologischen Untersuchung klar zu stellen, welche Symptome vorliegen: beispielsweise Schmerzen nach einer bestimmten Gehstrecke, Belastung- und Ruheschmerzen, Bewegungseinschränkung. Alle diese Kriterien müssen bei einer therapeutischen Entscheidung mit einbezogen werden.

Konservative Therapie

Konservative Therapieversuche sind fast immer den operativen zunächst vorzuziehen.

Gewichtsreduktion

Ist eine Gewichtsreduktion notwendig, sollte sie auf jeden Fall angestrebt werden. Ein hohes Übergewicht vergrößert das Operationsrisiko (Komplikationen wie Thrombose, Wundheilungsstörungen) und sollte vor einer Operation angegangen werden. In manchen Fällen kann durch eine konsequente Gewichtsreduktion eine Operation um mehrere Jahre verzögert werden.

Bewegungstherapie

Es sollte versucht werden, den Bewegungsumfang des Kniegelenkes bei beginnender Arthrose zu erhalten. Vor allem ein Streckdefizit führt zu einer deutlichen Fehlbelastung des Kniegelenks und beschleunigt den Verschleiß.

Das Trainieren kann unter Aufsicht eines Krankengymnasten erfolgen, kann aber auch selbstständig durchgeführt werden (Fahrradergometer, Nordic Walking, Dehnungsübungen)

Medikamente

Sie können in drei Gruppen eingeteilt werden:

  • Analgetika
    Es handelt sich dabei um reine Schmerzmittel ohne entzündungshemmende Wirkung. Die Spannbreite reicht von Paracetamol bis zu Opioiden. Analgetika können durchaus mit nichtsteroidalen Antirheumatika kombiniert werden.
  • Nichtsteroidale Antirheumatika
    Sie werden am häufigsten eingesetzt und wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Sie werden in Form von Tabletten, Zäpfchen, Infusionen und Spritzen verabreicht.
  • Kortisonpräparate
    Sie werden meistens in Form von Injektionen in das betroffene Gelenk eingeführt. Diese Präparate gelten eher als Reservemittel bei Arthrose und sollten nicht in zu kurzen Abständen ins Gelenk gespritzt werden.
  • Weitere Mittel
    sind zum Beispiel Hyaluronsäure ( Spritzen ins Gelenk), Glucosamin und Chondroitin in Tabletten oder Pulverform. Diese Mittel unterscheiden sich stark hinsichtlich ihrer Wirkung. Sie können begleitend zu einer anderen Arthrose-Schmerztherapie eingesetzt werden.

Hilfsmittel

Hierzu zählen: Kniebandagen, Knieorthesen (Gelenkstabilisierung) und Versorgung mit puffernden Schuhzurichtungen.

Was bewirken die Hilfsmittel? Sie können die Achse des Beines verbessern, dem Knie Halt geben und vor Kälte schützen. Die Wirkung einer Bandage kann sehr unterschiedlich sein, bei manchem Patient ist sie eine große Hilfe, von anderen wird sie nicht toleriert.

Akupunktur

Es handelt sich bei der Akupunktur um eine schonende, alternative Behandlungsmethode, ohne Nebenwirkungen. Die Wirksamkeit konnte durch Studien belegt werden.

Operative Therapie

  • Arthroskopie des Kniegelenks
    dieses Verfahrenhat sich bei arthrotischen Knien als nicht sehr nützlich erwiesen. Die Verbesserung der Beschwerden ist meist nur sehr kurzweilig und wird wahrscheinlich durch den Spülungseffekt ausgelöst. In bestimmten Fällen, wie beispielsweise bei gleichzeitigem Vorliegen von Meniskusschäden und freien Gelenkkörpern ist sie von Nutzen. Auch können umschriebene Knorpeldefekte angebohrt oder mit Mikrofrakturierung behandelt werden.
  • Operative Korrektur der Beinachse durch Osteotomie.
    Hierbei wird ein Knochenkeil entnommen und die Achse des Beines (O- oder X-Bein) kann begradigt werden. Somit wird die Belastung im Kniegelenk vom abgenützten Gelenkbereich auf einen nicht beschädigten Bereich verlagert (meistens vom inneren Gelenkspalt auf den äußeren).
  • die Teilprothese (oder Schlittenprothese, unikompatimentale Prothese)
    Sie betrifft nur einen Teil des Gelenkes, meistens den inneren Gelenkanteil und kann bei strenger Indikation durchaus eine Alternative zur Totalendoprothese sein.

Grundsätzlich sollte bei beginnender symptomatischer Kniegelenkarthrose zusammen mit dem behandelnden Orthopäden ein Therapieplan aufgesetzt werden. Es empfiehlt sich durchaus in jedem Arthrosestadium einen konservativen Therapieversuch durchzuführen. wobei ein wichtiger Aspekt in jedem Fall eine Bewegungstherapie sein sollte, die an die jeweilige Situation angepasst wird.

In wieweit alternative – teilweise auch sehr teure – Therapiemöglichkeiten, die in verschiedenen Formen sowohl online als auch in Apotheken angeboten werden, sinnvoll sind, sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Autor: Dr. med. Jean-Louis Dumas, Facharzt für Orthopädie, Chefredakteur

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